Die Legende von Segata Sanshiro

Hier ist ein Artikel über Segata Sanshiro. Wer das ist? Lest selbst:

Es sieht gar nicht gut aus für Sega im Sommer 1997. Das Saturn, Segas aktuelle Konsole, hat in Europa und Nordamerika katastrophal Schiffbruch erlitten, und auch in Japan steigt dem Unternehmen auf dem Konsolenmarkt dank des Erfolgs vor allem der PlayStation das Wasser langsam bis zum Hals. Not macht erfinderisch, wie es so schön heißt, und so wird eine der erfolgreichsten, genialsten und skurrilsten Werbefiguren in der Geschichte der Videospiele geboren: Segata Sanshiro.

Segata Sanshiro ist ein Meister der Kampfkunst in mehreren Disziplinen wie Judo, Karate, Schwert- und Messerkampf. Er hat seine Existenz dem „Weg des Spielens“ verschrieben und trainiert unter anderem dadurch, daß er mit einem überdimensionalem Saturn auf den Rücken geschnallt einen Dauerlauf macht und seine Schlagtechniken auf einem dazugehörigen Saturn-Gamepad übt. Gespielt wird die Figur von Hiroshi Fujioka, der u.a. durch seine Rolle in der Superheldenserie Kamen Rider bekannt ist und später noch in der japanischen Version von Shenmue eine Sprecherolle als Ryos Vater Iwao haben sollte.

Der Name Segata Sanshiro ist eine Parodie auf den Namen des Judokämpfers Saguta Sanshiro, dem Hauptcharakter des gleichnamigen Films von Akira Kurasawa („Die Sieben Samurai“) und zudem von dem japanischen Satz „Sega Saturn, shiro!“ abgeleitet, was in etwa „Spiel‘ Sega Saturn!“ bedeutet. Allerdings bleibt es nicht bei dieser Aufforderung, die er im Namen trägt, denn Segata ist von aus der Abgeschiedenheit seines Trainings zurückgekehrt, um all diejenigen zu strafen, die nicht ernsthaft spielen oder dem Saturn nicht die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. So schlägt er in den Werbespots der Kampage z.B. sämtliche Besucher einer Disko zusammen und läßt anschließend noch ein Saturn zurück, damit die Leute etwas Vernünftiges mit ihrer Zeit anfangen.

Dieser abgedrehte Humor trifft einen Nerv bei den Japanern und die Kampagne wird ein voller Erfolg. 1997 und 1998 entstehen um die 20 Spots mit Segata, es werden sogar u.a. Actionfiguren von ihm und eine CD mit seinem Titelsong produziert. Eine Wirkung auf die Spieleverkäufe von Sega bleibt natürlich nicht aus. Sega kann die Talfahrt stoppen und sogar wieder etwas Boden gut machen. Letztendlich kommen noch bis ins Jahr 2000 neue Spiele für das Saturn heraus, gut zwei Jahre nachdem das System außerhalb Japans nicht mehr unterstützt wird, und ferner nachdem schon weltweit die Dreamcast, der Nachfolger des Saturns, auf dem Markt ist.

Das Erscheinen von letzterer im Winter 1998 läutet dann auch das Ende für Segata Sanshiro ein. Da der Charakter nunmal eindeutig auf das Saturn zugeschnitten ist, gibt keine wirkliche Möglichkeit, die Figur weiterzuverwenden. Um einen Übergang hin zur Dreamcast zu schlagen, wird ein letzter Werbespot gedreht, in dem sich Segata mit einer letzten großen Heldentat verabschiedet: Er rettet den Segavorstand vor einem Raketenanschlag der Konkurrenz, indem die Rakete in den Weltraum lenkt und dort mit ihr explodiert. Neben einer Ankündigung der Dreamcast wird danach außerdem noch Segatas eigenes Spiel beworben, „Segata Sanshiro Shinken Yuugi„, natürlich für Sega Saturn.

Bis auf einige Kurzauftritte bei Promoaktionen für die Dreamcast und als Cameo in dem Dreamcastspiel „Rent-a-Hero No. 1“ endet so im Wesentlichen die Geschichte von Segas wohl größtem Helden, doch wie heißt es am Ende des letzten Films : „Segata Sanshiro ist in Euer aller Herzen!“

Zum Schluß noch ein eine sehenswerte Kurzdoku über Segata, dank der ich den Charakter überhaupt kenne, und die die meisten Segata-Videos enthält:

Über Dennis Grob

Beschäftigt sich hauptberuflich mit dem Schrecklichen Fach. Beschäftigt sich viel und gerne mit alten und neuen Spielen für Konsolen und Computersysteme der 80er und 90er Jahre, vor allem von Sega, und schreibt darüber.

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