Freemium-Retrogames: von Nostalgie und Kundenbindung

Klar, Retrogames sind in. Nicht nur unser gutes altes RETRO-Magazin schlägt sich seit inzwischen zehn Jahren sehr tapfer und hat so manchen Sturm (im Wasserglas) überstanden. Auch neue Magazine kommen (und gehen – hihi), neue Websites entstehen (und gehen – haha) und auch „neue alte“ Spiele erblicken das Licht der Welt (und bleiben – okay, keine Witze mehr). Durch den Zeitverlauf werden nicht nur die Gamer älter – die ersten Spiele gab es digital schließlich schon in den 70ern -, sondern auch die Games. Und gezockt wird immer – egal, ob alt oder jung (Spiel wie Spieler). Das wissen wir, das mögen wir, ja, wir lieben es sogar! Gaming ist geil und Retrogaming noch geiler!

Doch wenn Retrogames so eine einfache Sache sind, warum werden sie dann nicht häufiger als, sagen wir: Köder … halt! Natürlich werden Retrogames als Köder eingesetzt. Warum auch nicht? Wir nehmen als Konsumenten schließlich das Gratisgeschenk im Supermarkt auch mit und verdrücken es auf dem Weg von den Tomaten zur Tiefkühlpizza. Wir lassen uns doch gern „anfüttern“. Geschenkt ist schließlich geschenkt. Und das ist bei Retrogames ganz genauso. Alte Spiele kostenlos spielen? Und dann für mehr etwas bezahlen? Die Branche nennt das Freemium. So findet man beispielsweise auf dieser Seite einen Terminator-2-Game-Clone, den man kostenlos und auch gegen Geld spielen kann. T2 feiert in diesem Jahr sein unglaubliches 25jähriges und sollte nun wirklich jedermann bekannt sein.

„Terminator in Attract Mode“

Das Besondere und wahrscheinlich deutlich weniger Bekannte ist allerdings, daß er von Beginn an nicht nur als Computer-, sondern auch als Spielhallengame geplant war. Schließlich waren die 90er die Spätphase der Spielhallen und –höllen (die mit nur einer Ausnahme – Automatenspiele – keine besonders rosige Zukunft mehr hatten, auch wegen der Zuhause- und Onlinezockmöglichkeiten). Und genau in diese Lücke springt nun T2: als Automatenspiel, quasi „back to the roots“. Spielen gegen Geld – von Anfang an ein Teil der Terminator-2-Idee.

T2 - Selbst erstellter Screenshot eines YouTube-Videos rund um den Automaten zu "Terminator 2"

Doch „angefüttert“ wird man nicht nur durch Filmlegenden oder österreichische Governatoren. Die meisten Amiga-Zocker werden beispielsweise das legendäre „Pinball Dreams“ kennen, welches einen so gigantischen Erfolg erzielte, daß das Genre der „Automatenspiele im Computer“ eine extreme Belebung erfuhr und bis heute – vor allem online – Bestand hat. Das geht soweit, daß selbst für klassische Automatengames wie „Sizzling Hot“ inzwischen tausende Spielmöglichkeiten geboten werden, mal kostenlos, mal werbefinanziert, mal gegen Geld.

Zwar ist „Sizzling Hot“ kein Flipper wie „Pinball Dreams“, doch ursprünglich reine Automatengames wie „Sizzling Hot“ erfuhren vor allem aufgrund ihrer Las-Vegas-Vorbilder legendenhaften Status und sind deshalb heute eine Liga für sich. Seit den 90ern reisten beispielsweise mehr und mehr Deutsche in die USA und eine Rundfahrt durch den Westen des Landes beinhaltete für viele natürlich auch einen Stopp in Las Vegas, der Zockermetropole schlechthin. Dort konnte man erste Automatenerfahrungen sammeln, die so in Deutschland (auch mangels Internet) schlicht noch nicht möglich waren. Und die Menschen taten genau das. Wenn eine Zockerregion ein echtes Retrofeeling ermöglicht, dann Las Vegas. Also ist der Weg zu einer digitalen Automatenumsetzung kurz und kommt das genannte Beispiel.

Retro und Freemium – das paßt

Kann man also über das Label „Retro“ die Menschen „anfüttern“ und zum Zocken bringen? Aber selbstverständlich! Und das ist auch gut so, denn nur eine pluralistische Spielwelt führt zu maximalem Glück. Alles kann, nichts muß. Wer nicht mag, der spielt eben etwas anderes. Den Amiga rausholen und dann „Pinball Dreams“ im Original zu spielen, hat ja auch was. Aber wenn es doch mal das originale Vegas-Gefühl sein darf – zumindest ein bißchen davon -, muß man nicht gleich nach Nevada reisen. Auch online geht eine Menge: zuerst „free“, dann – wenn man mehr will – „Premium“. Enjoy the game!

Dieter

Über Dieter

Dieter mag das Online-Zocken, mit und ohne Geld, und schreibt sporadisch darüber ;-) Er mag auch andere Themen, die sich rund um das Retrogaming drehen und ist deshalb neuer Autor in der Rubrik Specials.

Ein Gedanke zu „Freemium-Retrogames: von Nostalgie und Kundenbindung

Kommentare sind geschlossen.