Erfindung aus Versehen: 50 Jahre Taschenrechner

Als Jack Kilby 1966 ins Labor von Texas Instruments (TI) in Dallas ging, wollte er nur eine praktische Anwendung für den neuesten Mikroprozessor konstruieren. Das Ergebnis war Anfang 1967 der erste Taschenrechner der Welt. Am 29. März vor 50 Jahren stellte er seinen Cal Tech dem Direktor von TI vor.

Kilby hatte 1958 den ersten integrierten Schaltkreis entwickelt, wofür er im Jahr 2000 den Physik-Nobelpreis erhielt. Seine Erfindung des Taschenrechners blieb jedoch ein Versuchsmodel. Obwohl das Gerät einwandfrei funktionierte und alle vier Grundrechenarten beherrschte, blieb der Cal Tech ein Einzelstück. Texas Instruments erkannte nicht, dass es für solche Rechenhilfsmittel einen Markt gab. Stattdessen verkauften 1970 japanische Unternehmen die ersten Taschenrechner. Der Canon Pocketronic basierte fast komplett auf der Technik des Modells von Kilby. Auch hier wurden die Ergebnisse nicht elektronisch angezeigt, sondern auf einem kleinen Streifen Thermopapier ausgedruckt.

Taschenrechner
Das Foto zeigt die 1970 zuerst verkauften Canon Pocketronic, Sanyo ICC-82D und Sharp EL-8 (v. l.) (Bildnachweis: Jan Braun/HNF)

Neben Canon waren auch Sanyo und Sharp beinahe zeitgleich mit ihren Modellen in den Läden. Heute würden die klobigen Geräte kaum als Taschenrechner durchgehen. Doch die handliche Form und der Akkubetrieb waren ein enormer Fortschritt gegenüber den bis dahin vorherrschenden Tischrechnern, die nicht mobil waren. „Ein Taschenmodell von erstaunlicher Leistungsfähigkeit bei nur 740 g Gewicht“, begeisterte sich 1971 die Fachzeitschrift Funkschau über den Sharp Elsi 8. Der Akku hielt im günstigsten Fall drei Stunden durch. Als die ersten Taschenrechner von Canon, Sanyo und Sharp 1970 in Deutschland angeboten wurden, mussten die Käufer 2.000 DM auf den Tisch legen, der damalige Preis eines Gebrauchtwagens.

Einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Taschenrechners bietet das Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum. Im weltgrößten Computermuseum sind neben den drei ersten kommerziell erfolgreichen Modellen weitere 700 Taschenrechner zu sehen, die die rasante Entwicklung verdeutlichen.

Das Herz der Rechner, der Mikroprozessor trat Anfang der 1970er-Jahre seinen Siegeszug an. Damit stieg die Leistungsfähigkeit der Rechner genauso schnell an wie der Preis verfiel. So gab es 1974 die ersten Geräte für unter 100 DM. Der HP 35 von Hewlett Packard ermöglichte bereits die Berechnung von Winkel- und Exponentialfunktionen. Dieser erste technisch-wissenschaftliche Rechner erschien 1972. Im selben Jahr setzte schließlich auch Texas Instruments die eigene Erfindung kommerziell um und bot den TI-2500 Datamath zum Kauf an.

Danach eroberte der Taschenrechner zuerst die Ingenieurbüros und Forschungslabore bevor er in den Kinderzimmern und Klassenräumen für Furore sorgte. Damit war er das Vorbild für die späteren Erfolgsgeschichten von Personal Computer und Mobiltelefonen, die Diskussion um Sinn und Unsinn dieser elektronischen Hilfsmittel und Statussymbole bereits vorwegnehmend.

Mehr Informationen zur Erfindung des Taschenrechners bietet der Blog des Heinz Nixdorf MuseumsForums: http://blog.hnf.de