Nur Gewinn, nie Verlust: Zerstreuung im Retroraum

Meine Güte, bin ich alt. Also zumindest fühle ich mich so, wenn ich mir die Retrocomputingwelt anschaue. Mit 40 gehört man ja schon fast zu den Jüngeren, und dieses Alter habe ich längst hinter mir gelassen. Kinder, werdet erst einmal 50 – dann werdet ihr sehen, wieviel Leben schon hinter euch liegt. Wobei … im Falle der Retroszene ist die Erinnerung daran immerhin golden. Ja, ich erinnere mich gern. Liegt an den Rechnern, den Erlebnissen, der Gemeinschaft. Aber was, wenn man genau diese positiven Erlebnisse so nicht hat? Was, wenn von der Zerstreuung außer verlorener Zeit nichts übrigbleibt?

Was ist also Zerstreuung genau? Der Duden klärt uns auf:

„Ablenkung, Fun, Spaß, Unterhaltung, Vergnügen, Zeitvertreib; (gehoben) Ergötzung; (bildungssprachlich) Amüsement; (umgangssprachlich) Gaudi; (österreichisch umgangssprachlich) Hetz; (umgangssprachlich emotional verstärkend) Heidenspaß, Mordsspaß, Riesenspaß; (bayrisch, österreichisch umgangssprachlich) Gspaß; (landschaftlich umgangssprachlich) Spaßvergnügen; (veraltend) Kurzweil; (bildungssprachlich veraltend) Gaudium; (landschaftlich, sonst veraltend) Pläsier; (veraltet) Distraktion“

Zerstreuung kann also eine ganze Menge sein. Für mich ist es noch etwas ganz anderes, was dort nicht steht: es untrennbar mit meiner persönlichen Vergangenheit und Entwicklung verbunden. Ich fand Zerstreuung in meiner Jugend auf zwei Arten: Computer und Casinos. Mein Vater nahm mich frisch nach meinem 18. Geburtstag mit ins Casino – und schon war es um mich geschehen. Etwas früher eroberte ich den C64, oder besser gesagt: er eroberte mich. Von der Freundin, unserer geliebten Commodore Amiga, müssen wir ja hier jetzt nicht ernsthaft reden, denn ihr wißt ganz genau, wie wild und weitgehend diese Liebe war. Das Schöne an meinen beiden Zerstreuungen war aber immer: sie gaben mir etwas zurück. Für mich ist Zerstreuung eben nicht nur Zeitvertreib oder sogar Zeittotschlagen, sondern mit persönlichen Erlebnissen und Entwicklungen verbunden. Ja, man hat auf dem C64 viel gedaddelt. Aber es führte zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit dem Gerät. Ja, man hat in Casinos auch viel Geld verloren und nicht nur gewonnen. Aber es führte zu vielen legendären Abenden, Bekanntschaften und Lerneffekten. Natürlich, und das ist mir ganz wichtig zu betonen: für mich. Bei euch mag das anders sein. Für mich waren – und sind – Commodore und Casinos ein wunderbarer Bestandteil meines Lebens. Und meiner Persönlichkeit.

Heute kann ich beides verbinden. Die besten Spiele, die besten Strategien, die besten Casino Bonusse – online finde ich meine Zerstreuung. Ich liebe Computer und ich liebe das Zocken um Geld. Ich entspanne und lerne dabei, ich komme runter und auf neue Ideen, ich schalte ab und fahre gleichzeitig einen Gang hoch. Es ist sicher Glück, aus dem Spaß so viel Positives ziehen zu können, schließlich gibt es auch Menschen, die krampfhaft entspannen wollen und letztlich gar nichts erreichen. Für mich ist es jedoch die perfekte Dualität, entspannend auch im spannendsten Spiel, easy auch bei schweren Entscheidungen, gewinnbringend auch im Verlust. Und damit das perfekte Glück. Ich freue mich auf die nächsten Runden. Auf dem C64 wie im Internet.

Dieter

Über Dieter

Dieter mag das Online-Zocken, mit und ohne Geld, und schreibt sporadisch darüber ;-) Er mag auch andere Themen, die sich rund um das Retrogaming drehen und ist deshalb neuer Autor in der Rubrik Specials.