Zocken: Gestern besser als heute

Viele Leute über 30 erinnern sich wahrscheinlich noch an die gute alte Zeit der klassischen Spiele, die sowohl viele der Fans als auch die Presse als das „Goldene Zeitalter“ der Spiele bezeichnen. Die meisten Spieler hatten damals wenig Interesse, über Politik oder soziale Probleme zu diskutieren, wenn es um Spiele ging. Auch der Presse ging es eher darum, ihre Inhalte zu verbreiten und in Umlauf zu bringen, als sich auf Kreuzzüge für mehr soziale Gerechtigkeit einzulassen. Spiele waren im Allgemeinen einfache Angelegenheiten. Relativ dünne Hintergrundgeschichten sollten die Finger der Spieler für längere Zeit beschäftigen, anstatt als Vehikel für Predigten zu dienen.

Die meisten Spieler heutzutage kennen diese Klassiker zwar, konzentrieren sich aber größtenteils auf moderne Spiele. Und das aus gutem Grund: Der Vormarsch der Technologie erlaubt Entwicklern, uns heute Spielerlebnisse zu bieten, die damals einfach undenkbar waren. Das heißt aber noch lange nicht, dass Spiele heute besser sind als je zuvor. Unsere RETRO hat zwar bereits in der Vergangenheit viele der Vorteile von klassischen Spielen näher beleuchtet, hier kommen aber fünf Gründe, warum klassische Spiele ein besseres Spielerlebnis bieten könnten als moderne Spiele.

  1. Eine ausgewogenere Auswahl an Genres

Ok, die Meisten werden diesen Grund vielleicht nicht glauben, aber ein genauerer Blick auf die Fakten gibt uns recht. Klassische Spielkonsolen (einschließlich Computern) boten eine breitere (und ausgewogenere) Auswahl an Genres, die Spielern zur Verfügung standen, als moderne Konsolen. Machen wir zur Illustration einen kleinen Vergleich. Erstelle eine Liste mit deinen zehn Lieblingsspielen für deine PS4 oder Xbox One und zähle dann die Egoshooter auf dieser Liste. Erstelle eine zweite Liste, diesmal mit deinen zehn Lieblingsspielen für Sega Genesis oder SNES, und zähle dann die Plattform-Spiele auf dieser Liste.

Ich denke, es ist sicher, dass Egoshooter mindestens den Großteil der Spiele auf der modernen Liste ausmachen werden, während sich auf der Liste der klassischen Spiele wahrscheinlich nur ein paar Plattform-Spiele (hauptsächlich Mario oder Sonic) finden werden, höchstwahrscheinlich aber auch mindestens ein Kampf- und ein Rollenspiel, vielleicht sogar ein oder zwei Knobelspiele. Klar, das wird nicht bei jedem genau so sein, aber ich wäre bereit zu wetten, dass es bei den meisten, die das wirklich ausprobieren, genau zu dem Ergebnis führt. Wenn du zum Beispiel Kasinospiele magst, wird dir das Spiel „The four Kings“ für PS4 gefallen, das eine tolle Auswahl an Optionen bietet. Wenn du aber lieber um richtiges Geld spielen oder ein neues Kasinospiel ausprobieren willst, eignet sich der Besuch eines Online-Kasinos besser für dich. Und „retro“ geht ja auch online einiges. Was uns zu Punkt 2 führt …

  1. Mehr Konzentration auf Einzelspiel-Modi

Mit dem Aufkommen von Internet und Online-Diensten für Konsolen ist es heutzutage schwer, ein Spiel zu finden, das nicht mit dem Mehrspieler-Modus im Hinterkopf entwickelt wurde. Klar haben wir Call of Duty und Halo als Franchises, die Spielern eine „epische“ Einzelspieler-Geschichte liefern, aber seien wir mal ehrlich: Eine große Anzahl von Konsolen- und PC-Spielen konzentriert sich mittlerweile auf den Mehrspieler-Modus.

Wir müssen aber nur ein paar Konsolengenerationen zurückdenken und finden jede Menge Einzelspieler-Perlen. Bei einer derartigen Konzentration auf den Einzelspieler-Modus, weil es gar nicht anders ging, findet man ein paar der tief greifendsten und am besten durchdachten Spielerlebnisse aller Zeiten – und damit meine ich nicht nur die von mir so geliebten Casinos. Wenn du beispielsweise nach einer epischen Geschichte suchst, kannst du mit einem der vielen bekannten Rollenspiele aus der Vergangenheit nicht viel falsch machen, zum Beispiel mit den Serien Phantasy Star oder Final Fantasy. Klar kann man Stunden damit verbringen, seine Freunde oder Fremde in epischen Mehrspieler-Schlachten zu besiegen, aber wer braucht das, wenn eine Schatzkammer voller Einzelspieler-Erlebnisse auf dich wartet?

  1. Mehr Spiele zur Auswahl

Die meisten modernen Konsolen verfügen über umfangreiche Spielebibliotheken, diese gehorchen aber dem alten Spielkonsolen-Axiom: 90 Prozent der angebotenen Spiele sind nur Füllmaterial. Aber selbst in den verbleibenden 10 % Qualitätsspielen gibt es noch eine große Auswahl. Aber warum erwähne ich das? Weil ein Konsolenspieler in der Zeit, die er mit einem System verbringt, an einen Punkt kommt, an dem ihn die angebotene Auswahl an Spielen langweilt. Und hier kommen wir zum Vorteil der alten Konsolen. Du musst nicht warten, bis der nächste Triple-A-Titel erscheint, die Konsolenbibliotheken sind bereits voll davon. Die meisten Spieler haben in ihrem gesamten Leben nicht genug Zeit, alle Qualitätstitel für ein System durchzuspielen, ganz zu schweigen von Dutzenden. Es sollte also nicht allzu schwer sein, neue Qualitätsspiele zu finden, wenn du deine aktuell angesagten Spiele durchgespielt hast.

Und was ist, wenn du alle Qualitätsspiele für das klassische Spielsystem deiner Wahl durch hast? Auch dann hast du noch weitere Optionen. Dank der Wunder der modernen Technologie und dem Können und Scharfsinn einiger Hobbyprogrammierer gibt es für viele klassische Systeme eine breite Auswahl selbst programmierter Spiele. Mit den fortgeschrittenen Entwicklungs-Tools, umfangreicher Dokumentation und jahrelangem Feinschliff ihrer Fähigkeiten waren viele Entwickler in der Lage, selbst Spiele zu programmieren, die der Qualität, die damals für diese Systeme verfügbar war, gleichen (und diese in manchen Fällen gar überflügeln). Selbst der bescheidene Atari 2600 wurde verwendet, um Dinge zu erreichen, die man vorher nicht auch nur ansatzweise für möglich hielt, und die meisten selbst programmierten Spiele, die für dieses System erschienen sind, sind kostenlos für deinen Lieblings-Emulator verfügbar. Was uns zum nächsten Punkt bringt …

  1. Bessere Verfügbarkeit

Dieser Punkt mag manchen etwas kontrovers erscheinen, aber es ist nicht sinnvoll, diesen Umstand außen vor zu lassen. Durch Emulation stehen jedem mit einem Computer oder anderem Gerät, auf dem Emulatoren laufen, umfangreiche Spielebibliotheken zur Verfügung. Du hast keins deiner alten Systeme mehr? Kein Problem – ich hab es zuvor ja auch bereits erwähnt. Lade dir einfach einen Emulator für dein verfügbares System herunter. ROMs für alte Spiele zu finden, ist so leicht, wie eine Suchmaschine zu bedienen. Dank des MAME-Emulators hast du sogar Zugriff auf fast jedes Spielhallen-Spiel, was je erschaffen wurde. Wenn du es leid bist, schlechte Spielhallen-Portierungen auf deinen klassischen Systemen zu spielen, kannst du dieses Problem einfach lösen, indem du MAME startest und das Spielhallen-Original spielst. Kein C64 fürs Casino-Game zur Hand? Heute kein Problem mehr.

Und dazu kommt noch, dass du den Preis von emulierten Spielen einfach nicht schlagen kannst: Sie sind kostenlos! Man muss zwar die juristische Grauzone beachten, aber ROMs für fast jedes Heimsystem, das es je gab, lassen sich leicht herunterladen. So toll es auch sein mag, dass es für fast jedes moderne System klassische Spiele zu kaufen gibt, kann keins von ihnen in punkto Preis oder Spielauswahl mit Emulatoren konkurrieren.

  1. Es werden dir keine politisch korrekten Geschichten aufgezwungen

Als letzten Punkt kommen wir zum derzeit vermutlich heißesten Thema in der Spieleszene und einem ganz persönlichen Anliegen. Trotz des Einflusses von politisch korrekten „Gutmenschen“, die sich in der Spielelandschaft breitmachen und den Entwicklern unserer Zeit ihre Handlungen vorschreiben, können sie nur wenig tun, um die Tausende und Abertausende von Spielen zu verändern, die im Laufe der Jahre erschienen sind. Ein kurzer Blick auf die Bibliotheken von ein paar der älteren Konsolen zeigt ganz schnell den Unterschied, vor allem bei Spielen von japanischen Entwicklern. Hier findet sich in Spielen wie Custer’s Revenge oder King of Fighters jede Menge Material, das bei politisch korrekten Mitbürgern sofort zu epileptischen Anfällen führen würde. Genau genommen muss man gar nicht so weit zurückgehen, um etwas zu finden, weil es selbst für die vergangene Konsolengeneration noch jede Menge politisch nicht korrekter Momente gab.

Es ist für klassische Spiele auch nicht möglich, dass „Fehler“ durch aufgezwungene Patches entfernt werden, was bedeutet, dass das Spiel, das du bekommst, genau so sein wird wie es immer war. Bei Spielen für Systeme, die es eigentlich gar nicht mehr gibt, gibt es einfach keine Zensur! So sehr sich Gutmenschen auch beschweren, wenn Guy und Cody in Final Fight „Transvestiten“ zusammenschlagen, können sie doch herzlich wenig tun, um das Spiel zu ändern. Die meisten Spieler wird es zwar immer interessieren, die Fortschritte der Technologie und die Evolution der modernen Spieleindustrie zu verfolgen, trotzdem haben wir für alle Zeiten unsere Bibliothek alter Spiele, die uns unsere Wurzeln zeigt und uns Qualitätsunterhaltung liefert. Falls die derzeitige Invasion der politischen Korrektheit nicht eingedämmt wird, könnten wir eines Tages nur noch die Wahl haben, die Vergangenheit aufs Neue zu erleben. Hoffentlich wird dieser Tag nie kommen, hoffentlich wird es immer klassische Spiele geben, die uns stundenlangen Spaß liefern!

Dieter

Über Dieter

Dieter mag das Online-Zocken, mit und ohne Geld, und schreibt sporadisch darüber ;-) Er mag auch andere Themen, die sich rund um das Retrogaming drehen und ist deshalb neuer Autor in der Rubrik Specials.