Die Retro-Renaissance – Aus alt mach neu – warum eigentlich?

Was ist mit Retro eigentlich gemeint?

Eine allgemeine Definition gibt es eigentlich nicht. Der Duden beschreibt das Wort an sich als(bewusste) Nachahmung von Elementen früherer Stilrichtungen in Musik, Design, ö.Ä.“ Das trifft auch bei Konsolen- und Computerspielen voll und ganz zu, wobei es hier auch das Spielen der Originalspiele von damals im Emulator bedeuten kann. Grundsätzlich ist im jungen Bereich der Computerspiele für die meisten Menschen Retro das, was älter als 20 Jahre ist, denn der großteil der heutigen Spieler verbindet es aufgrund der Altersstruktur mit Spielerinnerungen aus der Kindheit.

Retro-Boom heute

Retro-Spiele boomen derzeit so stark wie nie zuvor. Auf Portalen wie Computerbild finden sich Ansammlungen alter Spiele zum Download, eigentlich längst überholte Konsolen werden wieder aufleben gelassen und auf Browserspiel-Portalen und Online-Casinos wie Betway sprießen die Retro-Slotmachines aus dem Boden und finden enormen Anklang. Wir als Retro-Magazin spüren diese Trends natürlich unmittelbar, weshalb wir für euch mal ein wenig Ursachenforschung betrieben haben – was macht sie aus, die neue Lust am alten Spiel?

Erfolgsstory der Retro-Konsolen

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Bei den Eingangs erwähnten alten Konsolen, die wieder auftauchen, handelt es sich um alte Spielkonsolen, die als Mini-Varianten wieder auf den Markt gebracht werden. Die bekanntesten und begehrtesten Beispiele sind sicherlich die Klassiker SNES und NES als Mini-Varianten von Nintendo. Da Nintendo sie in limitierten Auflagen veröffentlicht, ist die Nachfrage deutlich höher als das Angebot, sodass sie teilweise sogar in Geschäften mit über 100 Euro gehandelt wurden, obwohl der Verkaufspreis darunter liegen sollte, wie Netzwelt berichtete. Immerhin produzierte Nintendo vom SNES Classic Mini deutlich mehr als noch vom NES Classic Mini, der extrem schnell vergriffen war. Neben Nintendo sind aber auch andere alte Klassiker so beliebt wie nie zuvor. So veröffentlichte Sega mit seinem Sonic Mania ein eigentlich altes Spiel für moderne Konsolen wie die PS4, Nintendo Switch oder die XBox One und stößt damit auf große Begeisterung unter den Spielern. Interessant ist, dass die Spieler bereit sind, für eine Klassik-Konsole mehr als 100 Euro zu zahlen, obwohl die Hardware im Inneren kaum mehr als ein paar Euro Wert ist und sich dank moderner Emulatoren und Raspberry Pies das gleiche Ergebnis mit deutlich geringerem Aufwand erzielen ließe. Aber der Nostalgie-Effekt treibt die Kunden dennoch dazu, einen eigentlich völlig überhöhten Preis für veraltete Technik zu zahlen. Atari springt ebenfalls auf den Zug auf, geht aber einen etwas anderen Weg und wird mit seiner neuen Konsole „Ataribox“ zwar ebenfalls 2018 eine Retro-Konsole auf den Markt bringen, das Gerät wird aber etwas mehr können als die Classic Mini Geräte von Nintendo. So wird sie sehr wahrscheinlich modernere Spiele und Streaming-Dienste unterstützen, also ein kleines Mediencenter für den Fernseher sein. Allerdings muss der Kunde dafür auch zwischen 200 und 300 Euro auf den Tisch legen.

Emulatoren überall

Die große Beliebtheit alter Spiele zeigt sich auch eindrucksvoll an der Anzahl und Vielfalt an Emulatoren. Wenn ein Jailbreak oder eine Custom Firmware für eine Konsole erscheint, sind Emulatoren für alte Konsolen eines der ersten Dinge, die von der Hacker-Community releast werden. So finden sich Emulatoren für NES & Co. für nahezu alle alten Konsolen und Handhelds wie PSVita oder PSP und natürlich auch für Smartphones. Kürzlich berichteten wir erst kürzlich über baldige Neuerscheinungen für das durchaus als in die Tage gekommen zu bezeichnende C64-System, was eindrucksvoll zeigt, wie beliebt die Systeme auch bei Hobbyentwicklern sind.

Warum das Ganze?

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In Zeiten moderner Konsolen, atemberaubender Grafiken und immer aufwändiger produzierten Spiele fragt man sich natürlich, was den Reiz der alten Klassiker ausmacht. Wie T-Online berichtete, liegt der Altersdurchschnitt der Spieler derzeit bei etwa 35,5 Jahren. Jeder Zweite (58%) ist älter als 30 und jeder vierte (25%) gehört sogar der Altersgruppe 50+ an. Damit hat die Mehrzahl der Spieler die Entwicklungsphase der Computerspiele von Pong bis zu den heutigen AAA-Titeln voll mit erlebt und die meisten in ihrer Kindheit. Das heißt, mit dem Spielen alter Klassiker schwelgt man auch automatisch in Erinnerungen an seine Kindheit, in der Sega, C64, Atari, Amiga, NES und Co. eine große Rolle spielten. Blickt man etwas weiter zurück entpuppt sich dieser Trend nicht als Kurzzeit-Phänomen, sondern als Langzeittrend mit weitreichenden Ausmaßen, die bis in die 70er-Jahre zurückreichen, als Klassiker wie Pac-Man zum ersten mal auftauchten und einen festen Platz in den Herzen der Gamer einnahmen. Emulations-Größen wie ScummVM ist für nahezu alle Plattformen erhältlich und ist seit 2007 regelmäßig beim Google Summer of Code vertreten.

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Wie wir im Interview mit der Süddeutschen bereits erwähnten, gehört zum Retro-Bereich alles, was älter als 20 Jahre ist und wir glauben, dass Retro-Spiele ebenso wie Oldtimer nie an Reiz verlieren werden. Nicht umsonst können wir neben Spielemagazinen, die über PS4 und XBox berichten, sehr gut bestehen, denn der Markt ist einfach da, was sich auch daran zeigt, dass wir alle Gesellschaftsschichten vom Krankenpfleger bis zum Arzt erreichen.

Was ist heute anders als vor 10 Jahren?

Heute sind die Spiele nochmals deutlich ausgefeilter, aufwändiger und imposanter. Gerade dieser Kontrast macht den Reiz aus. Denn bei Retro-Spielen ist alles auf das Wesentliche reduziert. Die Grafiken sind pixelig, die Charaktere aber dennoch stark. Aber wie Jens Klöpfel, Mitbegründer der Retro-Börse trefflich analysierte, werden sich die Trends auch wandeln, denn jede Generation liebt das, womit sie aufgewachsen ist. Wie es heute C64 & Co. sind werden in den nächsten Jahren die Generationen PS2, Gamecube und Dreamcast ihre Kindheitserinnerungen wieder aufleben lassen. Außerdem sind im Gegensatz zu den frühen 2000ern mittlerweile auch die großen Hersteller auf den Zug aufgesprungen und produzieren nicht nur Retro-Konsolen, sondern haben auch erkannt, welch großes Umsatzpotenzial alte Spiele auch auf neuen Konsolen haben. Nicht umsonst bieten alle großen Konsolenhersteller alte Spiele in ihren Download-Stores an. Retro wird Retro bleiben und es wird auch in einigen Jahren nicht weniger beliebt sein. Lediglich die Definition dessen, was als Retro bezeichnet wird, wird sich im Laufe der Jahre anpassen und verändern.

Dieter

Über Dieter

Dieter mag das Online-Zocken, mit und ohne Geld, und schreibt sporadisch darüber ;-) Er mag auch andere Themen, die sich rund um das Retrogaming drehen und ist deshalb neuer Autor in der Rubrik Specials.