Retrohandys: so begann die Jugendortung

1992 begann mit D2 das Zeitalter der digitalen Telefonie in Deutschland. Zum Glück, denn die Telekom (damals noch Deutsche Bundespost) konnte telefontechnisch niemand leiden. Endlich schnurlos erreichbar! Doch des einen Freud war des anderen Leid. Wie so oft im Leben.

Denn je günstiger die Handys wurden, desto interessanter wurden sie auch für Kinder und Jugendliche. Der Haken: damit waren die Kinder und Jugendlichen auch für ihre Eltern überall erreichbar. Das kann man als eine frühe Form der Kinderortung bezeichnen, denn heute sind selbstverständlich ganz andere Dinge möglich. Und über die staune ich dann doch ab und zu:

– Kinder werden mit GPS-Technik ausgestattet und sind so via App zu orten

– Eine entsprechende Handy Überwachung läuft direkt über entsprechende Apps

– Zu Hause braucht es noch nicht einmal ein Handy, sondern nur WLAN

Aber zurück zur Handyortung: uns als Eltern eröffnete das Handy ganz neue Möglichkeiten. Plötzlich war das Kind erreichbar, zumindest dort, wo eine Netzverbindung war. Meine beiden Kinder passten alterstechnisch genau zu dieser Revolution: als sie anfingen, alein auszugehen, hatten sie immer ein Handy dabei. Das gefiel meiner Frau und mir natürlich sehr gut. Den Kindern hingegen weniger. Aber schon in den Neunzigern kommunizierten Kids via Telefon und natürlich auch Handy. Klar, die ersten Geräte waren teuer, schwer, meist ohne viel Glück bei der Netzsuche. Aber ab Mitte der Neunziger wurde das besser. Und meine Kinder wollten auch ein Handy. Sie bekamen es. Besser hätten wir sie nicht in die Welt hinausschicken können. Sie waren in Kontakt mit ihren Freunden. Und mit uns. Ab Ende der Neunziger war das Handy endgültig ein Massenphänomen und viele Eltern freuten sich über die Technologie.

Ob ich meine kleinen oder jugendlichen Kinder heute mit einem GPS-Tracking-System ausstatten würde? Ich denke nicht. Auch hier bin ich retro. Altes Handy: ja. Smartphone: eher nicht. Vielleicht ab 16 oder so. Aber nicht als Dreizehnjährige. Die brauchen in meinen Augen noch kein Handy. Erreichbar sollen sie sein, ja. Aber nicht permanent online.

Ob heutige Eltern auf eine Software oder ein Gerät (wie oben erwähnt) vertrauen, das müssen sie selbst entscheiden. Ich würde es nicht tun. Aber mir kann es heute auch egal sein. Meine Kinder sind längst aus dem Haus. Und sicherlich ausreichend erreichbar, wenn ich das Bedürfnis nach Kontakt verspüre.

Andersherum gilt diese Retrohaltung übrigens auch: für mich braucht meine Familie keine Ortungsunterstützung. Mich findet man an maximal drei Orten: in der Wohnung, im Hobbykeller am C64 oder im Casino. Und das bereits seit Jahrzehnten. Das ist einfach. Und wird auch so bleiben.

Dieter

Über Dieter

Dieter mag das Online-Zocken, mit und ohne Geld, und schreibt sporadisch darüber ;-) Er mag auch andere Themen, die sich rund um das Retrogaming drehen und ist deshalb neuer Autor in der Rubrik Specials.