Das reicht: Alt und gut wie ein Commodore-Rechner

Ja, ich bin alt. Als Mann, der die 50 schon überschritten hat, in Deutschland lebt und gerne zockt, paßt wahrscheinlich das Attribut „Alter weißer Mann“ sehr gut zu mir. Nun ja, dann ist das eben so. Irgendwann mag man es halt ein wenig bequemer und überläßt das Toben den Jüngeren, auch digital. Ja, ihr könnt mich damit mental alt nennen, aber mir ist mein C64 nun mal lieber als jeder VR-Kram. Ich muß nicht mehr alles ausprobieren. Ich bin körperlich fit und jedes Jahr aufs Neue bereit für das Sportabzeichen. Mental jedoch bin ich längst angekommen. Und wo ich bin, gibt es kein Fortnite.

Ist man alterstechnisch erst einmal übern Berg (also den statistischen, der einem sagt: Hey, ab jetzt gehts bergab!), mag man es etwas ruhiger. Nun dürfte das bei uns alten weißen Männern ja eigentlich schon ab 40 der Fall sein, aber heute ist ja 40 das neue 30. Okay, sagen wir also: ab 50 gehts bergab – nur hat das auch einige Vorteile. Man muß sich beispielsweise nicht mehr auf den sprichwörtlichen Berg hinaufquälen, sondern kann entspannt hinabsteigen und weiß, wo man hinwill, nämlich unfallfrei ins Tal. Dort dann locker und entspannt den Abstieg ausklingen lassen und schon hat man es geschafft. Oben hat man alles gesehen, was einen interessierte. Und unten ist man dann endlich angekommen. Dann heißt es: Volle Entspannung, voller Genuß, bis zum Lebensende.

Es stimmt: man altert nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Der Klassiker aus „Lethal Weapon“ – Ich bin zu alt für diese Scheiße – gilt nun, im 21. Jahrhundert, nicht mehr aus körperlichen, aber dafür aus mentalen Gründen. Die Einstellung zieht nicht mehr immer mit, man findet zunehmend Gefallen an dem, was war und ist und nicht mehr an dem, was zukünftig sein wird. Wie gesagt: man hat alles gesehen, was einen interessiert. Das Neue überzeugt oftmals nicht so, es ist heutzutage häufig zu wild, zu schnell, zu schrill, zu stürmisch.

Und es gibt nun einmal Dinge, die müssen sich auch nicht (mehr) ändern. Da lasse ich mir den Vorwurf der mentalen Unbeweglichkeit doch gefallen. Mir letztlich egal, denn ich bin rundum glücklich und zufrieden. Ich brauche: eine Commodore-Maschine, ein gutes Game, bevorzugt mit Casino- oder zumindest Kartenspiel-Bezug, ein paar Bier, ein paar Chips und einen oder mehrere Kumpels, die mitzocken. Mehr nicht. Kein Fortnite, kein VR, keinen Streß.

Meine Kumpels – von denen viele keinen Computer-Background haben – sind oftmals nicht besonders bewandert, was diese Thematik angeht, so daß ich ihnen ab und zu erklären muß, wo sie gerade hinsichtlich der Online-Möglichkeiten mehr erfahren können. So kapiert es dann auch der langsamste Kumpel: es geht ums Zocken klassischer Spiele, online wie offline. Slow Motion, klassisches Vergnügen, gute, alte Zeit … ihr wißt, was ich meine.

Und Online ist dabei keineswegs nur eine Notlösung. Denn im Internet wird das gute, alte Feeling inzwischen sehr positiv abgebildet. Für mich ist das immer wie das Zocken auf einem Emulator: es hat viele Vorteile, wenn man es mal nicht 100% authentisch braucht. Und es bringt auch bestimmte Besonderheiten mit sich, die es im Original so gar nicht gibt. So wird es dann doch, früher oder später, eine einzigartige Sache – und im Kern eben dasselbe wie immer: gutes Zocken nach alten Spielideen. Poker, Blackjack, Roulette, aber auch Dart, Billard, … es gibt viele Möglichkeiten, viele Spiele, viele Casinos, viele Billardhallen, viele Möglichkeiten. Mehr als genug. Das reicht mir.

Ich mag nicht nur die alten Spielideen, ich mag es auch traditionell. Multiplayergames am C64 bedeuten zwei Joysticks und viel Spaß. Eine Runde Blackjack auf einem Commodore-Rechner bedeutet Spannung! Tausende Mitspieler oder gar Gegner? Umringt von zig Monitoren? Dazu teure Grafikkarten? Megaschnelle DSL-Anbindung? Brillen, Kopfhörer, etc.? Nix für mich.

Den gestreßten Nachbarssohn, der sich im Multiplayerchaos engagiert, beneide ich nicht. Es mag sein, daß die Technik besser ist, alles schneller, rasanter, wilder wurde. Ja, aber die Dinge haben nun mal auch ihre Grenzen. Alt werden hat auch Vorteile. Wenn man das Beste daraus macht.

 

 

Dieter

Über Dieter

Dieter ist Zocker alter und Gambler ganz alter Schule. Er treibt sich gleichermaßen auf Retropartys und in den Casinos dieser Welt rum. Inzwischen nur noch wenige Jahre von der Rente entfernt, widmet der Finanzberater seine Freizeit vorrangig dem C64, aber auch Maschinen von Atari. Wenn Dieter zockt, dann sowohl mit als auch ohne Geld.