Warum Hardcoreexperten die besten Experten sind – und die besten Freunde

Ich bin harmlos. Ja, ich gebe es zu: ich bin ein Gelegenheitszocker. Die Betonung liegt auf Gelegenheit. Und das ist auch gut so. Für mich zumindest. Denn ich brauche die Balance: alles entspannt, alles ausgewogen. Andere hingegen sind echte Nerds, Geeks, knallharte Profis. Und auch das ist gut so. Denn die brauche wiederum ich. Und ganz am Ende: brauchen wir uns gegenseitig. Win-win.

Ich brauche diese Mega-Expertinnen und -Experten. Sie sind mir eine unschätzbare Hilfe. Jeder von euch sollte so einen Fachmann bzw. so eine Fachfrau im Bekanntenkreis oder Freundeskreis haben. Ich habe genug eigene Geschichten erlebt, um auf diese Expertenpower zu schwören. Nicht immer kann man alles persönlich erfragen, das ist klar. Dann braucht man Infos von möglichst passender Stelle. Aber besser sind – zumindest aus meiner Sicht – doch die persönlichen, direkten, menschlichen Beziehungen und Kontakte.

Mein Einstieg ins Gambling war, wie schon mehrfach erzählt, seinerzeit der C64. Ich hatte mit „normalen“ Spielen nichts zu tun, aber erst recht nichts mit „Gambling“. Doch die C64-Poker-Runden hatten es mir schnell angetan. Und ich hatte einen Freund in meinem Umfeld, Karl, der ein echtes Computergenie war. Studium an einer deutschen Uni, im damals noch recht frischen Fach Informatik. Vom Thema her aber ganz klassisch. Zur Überraschung vieler anderer Nerds und Geeks schloß er das Studium sogar ab. Danach ging er zu einem deutschen Konzern und freut sich nun über seine Rente. Die hat er sich verdient, gar keine Frage. Denn damals, zu seinen Sturm- und Drang-Zeiten, ja, da strahlte Karl, wenn er einen Computer einschalten durfte. Das waren (und sind) einfach seine Maschinen. Der C64 war für ihn dabei, zumindest aus meiner Sicht, nichts anderes als eine nette Fingerübung. Es soll ja Menschen geben, die gleich – der „Einfachheit“ halber – in Binärcode denken, lesen, schreiben usw. Karl ist wahrscheinlich einer dieser Verrückten.

Doch neben aller Computerverrücktheit hatte Karl eine weitere Leidenschaft: Gambling. Mit ihm kam ich über die C64-Poker-Runden zum „echten“ Spiel. Denn Karl verdiente gut, war klischeehafter Single, hatte nie Geldsorgen und fand das Leben einfach nur gut, solange es digital geprägt war. Und so landeten wir damals – es war nur eine Frage der Zeit! – an den ersten digitalen Geldspielautomaten. Karl hatte damals einen Job, während seines Studiums, der ihn zu diesen Merkur-Automaten führte: er wartete die Dinger für eine Aufstellerfirma. Das Spiel wurde ihm jedoch – und auch mir – schnell langweilig. Also zogen wir weiter: von den Automatenspielhallen in die (etwas stilvolleren) Casinos dieses Landes. Und später dann, mit anderen Freunden und auch mit meiner Frau, in die Casinos dieser Welt. Da waren wir also: Zocker alter Schule, vor Roulette und Poker und Blackjack und den Einarmigen Banditen. Karl war ebenso in dieser Welt angekommen wie ich. Doch ohne seine Souveränität, ohne sein Know how in Sachen Computer und Gambling wäre ich niemals so schnell und so problemlos in diese Welt hineingekommen. Er wußte nicht nur, wie man richtig gut pokert, sondern kannte auch die Auszahlungsquoten der Automaten, unsere Möglichkeiten und Grenzen während sämtlicher Spiele … so blieben wir (oder besser und ehrlicher gesagt: ich) vor viel Schaden bewahrt. An dieser Stelle deshalb nochmal: danke, Karl! Unsere Zeit war geil, spannend, voller Höhen und Tiefen … es war super!

Doch wie es im Leben oftmals so ist: meist trennen sich dann die Wege, und man macht andere Dinge. Karl arbeitete schnell nahezu rund um die Uhr – seine Skills waren gefragt – und ich lernte meine Frau kennen und heiratete. Durch sie kam aber ein neuer Experte in mein Leben: ihr Bruder. Er war quasi „Karl, der Zweite“. Auch er ein Computergenie, allerdings 20 Jahre jünger als Karl I. Programmierer, ohne Informatik-, dafür aber mit US-amerikanischem „Computer Science“-Studium, weltläufig, mehrsprachig, smart … aber kein Gambler. Durch ihn (und interessanterweise nicht durch Karl I.) kam ich zwar verstärkt in die Onlinewelt des Gamblings, beispielsweise zu Merkur Sunmaker – aber nur theoretisch. Er zeigte mir alles, erklärte mir alles, beantwortete alle meine Fragen – aber er beteiligte sich nie. Denn: Karl II. zockt nicht. So profitiere ich zwar seit Jahren von seinen IT-Fähigkeiten, doch habe ich den Gambling-Spaß ohne ihn. Nun gut, jeder so, wie er mag. Auch ihm gilt natürlich mein Dank. Er ist IT-Profi. Wo Karl I. Enthusiast war, ist Karl II. knallharter Fachmann. Der eine ist Geek, der andere Nerd. Ich mag sie beide über alle Maßen!

Später lernten meine Frau und ich im Urlaub Gerald und Sabine kennen. Gerald hatte zwar keine Ahnung von Retrocomputing, oder überhaupt von Computern, doch dafür hat er Spaß im Casino. Und Gerald hatte (und hat) Geld – viel Geld! Er machte sein Vermögen in der Logistik: erst national, mit einer Spedition, dann international, als Teilhaber an einem Logistikkonzern. Einsätze von 10.000 EUR und mehr sind für ihn kein Problem. Eigentlich erstaunlich, daß wir die beiden kennengelernt haben, denn weder machen wir teure Schicki-Micki-Urlaube noch strahlen wir die Leck-mich-am-Arsch-Haltung von Multimillionären aus, die andere Reiche normalerweise sofort erkennen und angenehm finden. Ich bin dank meiner Arbeit in der Finanzwelt auch nicht gerade arm, aber 10.000 pro Runde … puh, das geht dann doch ein wenig zu weit. Gerald hingegen läßt es gern krachen. Durch ihn erlangte ich meine „Real world“-Casino-Skills. Ich kenne niemanden, der abgezockter pokert als Gerald – okay, jenseits der Profiwelt, meine ich. Gerald ist selbsternannter „Dilettant“ und gewinnt doch recht häufig, vor allem beim Poker. Das ist einfach sein Spiel. Und ich bin jedes Mal gern mit dabei. Einmal besiegte ich alle Zocker am Tisch und fuhr meinen bisher höchsten Pokergewinn ein: 77.000 EUR. Das war Wahnsinn! Okay, es ist schon über zehn Jahre her und war auch nur eine einmalige Sache – aber den Urlaub hat es uns doch sehr versüßt. Und Gerald, der mit am Tisch saß, hat sich davon  nicht beeindrucken lassen. Er gönnte mir den Gewinn, war kein Stück neidisch. Kein Wunder: für ihn sind das ohnehin nur Peanuts. Gerald ist weder Geek noch Nerd, er ist de facto Profizocker. Knallharter Zocker. Gegen Geld. Massive Gewinne, herbe Verluste. Immer im Wechsel. Klischeehaft: Cohiba, Bentley, Armani, Rolex – die Labels könnten seine zweiten Vornamen sein. Doch auch ihn mag ich wirklich, ohne Frage!

Von diesen ganz unterschiedlichen Charakteren profitiere ich bis heute. Die ersten beiden klärten mich über die IT-Welt auf, zusätzlich zeigte mir der eine das Offline-, der andere das Online-Zocken. Und der dritte ist ein Profizocker, der sich selbst nicht so nennt und sieht, und es doch durch und durch ist. Mir blieben durch die drei auf jeden Fall nicht nur (teure!) Fehler erspart – ich gewann – und das ist viel wichtiger! – echte Freunde. Win-win für alle: Spaß gepaart mit Kompetenz. Das sind die Menschen, die das Leben besonders lebenswert machen! Darauf eine Runde Strip Poker auf dem Brotkasten!

P.S.: Die drei bezeichnen mich jeweils ebenfalls als ihren Freund. Warum sie mich schätzen? Ich bin der Entspannte, so ihre Aussage, unisono. Ich bin nicht reich, aber auch nicht arm. Ich zocke gern, hab mich aber im Griff. Ich mag Retrocomputer, lebe aber nicht in der Vergangenheit. Es ist die Balance, die sie an mir mögen. So passen wir perfekt zusammen. Es könnte nicht besser sein!

 

Dieter

Über Dieter

Dieter ist Zocker alter und Gambler ganz alter Schule. Er treibt sich gleichermaßen auf Retropartys und in den Casinos dieser Welt rum. Inzwischen nur noch wenige Jahre von der Rente entfernt, widmet der Finanzberater seine Freizeit vorrangig dem C64, aber auch Maschinen von Atari. Wenn Dieter zockt, dann sowohl mit als auch ohne Geld.