Mögt ihr Boni?

Also ich liebe sie. Im letzten Artikel habe ich ja bereits von Rabatten und Coupons geschwärmt, aber mindestens genauso gut finde ich Gratisbeigaben, Zusatzfeatures und Boni. Zahl 2, bekomm´ 3 – toll! Da freut sich der Finanzjongleur in mir! Davon kann ich gar nicht genug bekommen. Und wenn das in der „analogen Welt“ so ist, ist das im Digitalen natürlich genauso.

In der Computerwelt gibt es sie genauso wie in allen nichtdigitalen Märkten: sogenannte „Bundles“, die einem viel Zeug in einen Karton zusammenpacken und dann für einen „Hammerpreis“ andrehen wollen. Klingt nicht so positiv? Na, kein Wunder: Schaut man im C64-Wiki nach C64-Bundles, wird einem ganz anders! Dutzendfach wurde der Brotkasten seinerzeit in Sonderangebotspaketen verscherbelt. Aber so ist die Marktwirtschaft: Emotionen sind meist nur zur kurzfristigen Verkaufsförderung da. Den Weitblick, im C64 eine Legende zu erkennen, die besonders positiv behandelt werden muß – so wie es mein Ferrari-Händler seinerzeit nur allzu gern mithilfe des Sales-Firmenmottos beschrieb: es wird immer ein Ferrari weniger hergestellt als nachgefragt wird –, ja, den hatten die meisten Commodore-Manager seinerzeit wohl nicht. Der Brotkasten diente nachher ja nur als Gelddruckmaschine, um die anderen Fehlschläge zu unterstützen … aber lassen wir das.

Zurück zu den Boni: ja, je mehr es oben drauf gibt, desto besser. Natürlich gilt dasselbe für Gratiszeugs aller Art. Zu einem Bonus Code fürs Onlinezocken sage ich genauso wenig Nein wie zu einem geschenkten Steam Code. Aber natürlich freue ich mich auch über Gratisprodukte, wenn ich irgendeinen Fragebogen ausfülle oder anderweitig Daten rausgebe. Natürlich geschieht dies nicht hirn- und willenlos: ich achte sehr darauf, wer wo und wann welche Daten von mir erhält. Aber ein kurzes Survey von drei anonymen Fragen bei einer Fastfood-Bude und ich bekomme umgehend einen Burger gratis? Da bin ich dabei!

Als alter Finanzmensch muß ich natürlich immer wieder schmunzeln, wenn vermeintlich exklusive Angebote inzwischen auch … verramscht werden. Anders kann es wohl kaum beschreiben. Beispiel Kreditkarte: erinnert ihr euch noch an die 80er und 90er mit ihren Gold- und Platinkarten-Hypes? Goldene, sogar Platin-Kreditkarte … ja, das klang nach Jetset, Party mit Champagner und Hummer, New York, Rio, Tokio … und ist inzwischen in jeder zweiten Anzeige bei Spiegel Online zu finden. Tonnenweise Zusatzfeatures gibt es jeweils obendrauf. Die richtig reichen Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, hatten völlig normale Kreditkarten von der Sparkasse nebenan. Denn das Kreditkartenlimit sieht man der Karte ja nicht an. Und nicht alle finden Boni und andere Zusatzfeatures so toll wie ich, so daß man unbedingt die Einladung von Bank oder Kreditkartenfirma XY annimmt und mehrere tausend Euro für die Karte als „Eintrittsgebühr“ blecht.

Wobei: ich habe auch „nur“ eine normale Kreditkarte (bin allerdings leider nicht reich). Der Grund ist aber ganz simpel: Die Features meiner Bank haben mich schlicht nicht überzeugt. Diese gibt es zwar durchaus mit der Karte günstiger als anderswo, nichtsdestotrotz kosten sie Geld. Wenn ich sie nicht brauche, ist selbst „günstig“ noch zu teuer.

Und überhaupt: gezahlt wird inzwischen immer öfter über andere Wege. Da gibt es zwar keinerlei Boni für mich, aber immerhin auch keine zusätzlichen Transaktionskosten für den Händler. Und das resultiert in einem niedrigeren Preis und freut letztlich sowohl den Händler als auch mich. Manchmal ist es doch besser, einfach auf Zusatzfeatures zu verzichten.

Dieter

Über Dieter

Dieter ist Zocker alter und Gambler ganz alter Schule. Er treibt sich gleichermaßen auf Retropartys und in den Casinos dieser Welt rum. Inzwischen nur noch wenige Jahre von der Rente entfernt, widmet der Finanzberater seine Freizeit vorrangig dem C64, aber auch Maschinen von Atari. Wenn Dieter zockt, dann sowohl mit als auch ohne Geld.