Autorenarchiv

Pressespiegel (21/2)

Beispiel 3: Etikettenschwindel. Frage: Ein Journalist erhält ein kostenloses Rezensionsexemplar – was ist das Schlimmste, was er nun tun kann? Richtig: es nicht lesen und dann noch geschickt so tun, als ob er es gelesen hätte und es sich bei dem Artikel, den er geschrieben hat, deshalb um eine echte, faire Rezension handelt. Diesen Eindruck gewann ich bei der Lektüre eines Computer-Bild-Beitrages zum Buch „Volkscomputer“. [LINK>607] Wie ich darauf komme? Punkt 1: Das einleitende Zitat stammt aus dem Einband und ist, nun ja, beliebig. Punkt 2: Wichtige Zeitpunkte und Meilensteine stellen Allgemeinwissen für die Zielgruppe des Buchs dar oder bleiben unpräzise bzw. gewagt („Dieser Prozessor [6502, Anm.], beziehungsweise dessen spätere Inkarnationen, trieben den VC-20, den C64 oder auch das Nintendo Entertainment System (NES) an.“). Punkt 3: Die darauf folgenden Buchinfos klingen wie der Pressetext zum Buch („In seinem Buch „Volkscomputer – Aufstieg und Fall des Computer-Pioniers Commodore und die Geburt der PC-Industrie“ beleuchtet Autor Brian Bagnall die Geschichte des Computer-Pioniers Commodore“) Punkt 4: Damit es nicht ganz so stark nach einfacher Kopie der Pressemitteilung klingt, wird durch das Einflechten von Lokalkolorit für vermeintliche Individualität gesorgt – etwas oberflächlich, aber ausreichend, weil beim Überfliegen in der Kaffeepause nicht weiter auffällig („Für die deutsche Ausgabe des gelungenen Nachschlagewerks steuerten Commodore-Experte Boris Kretzinger und Videospiel-Urgestein Winnie Forster technische Details, Fotos sowie Personen-, Firmen- und Spiele-Indizes bei“). Punkt 5: Individuelle Auseinandersetzungen mit dem Werk, so wie in tonangebenden Magazinen großer Häuser beispielsweise, sucht man vergeblich, obwohl gerade dieses Buch viele Besonderheiten aufweist und es dem Leser vergleichsweise leicht macht (siehe eigene Rezension in dieser RETRO). Aber vielleicht ist ja auch die mitten in den Text geflanschte Klickstrecke mit den 17 Bildern wieder mal viel wichtiger? Auch wenn die Bilderserie mit dem Buch so gar nix zu tun hat, denn sie heißt „Die Anfänge von Nintendo, PC & Co.“ und zeigt nicht wirklich zum Buch gehörende Systeme, garniert mit sagenhaft banalen Bildunterschriften wie „Das Mega Drive war Segas erfolgreichste Spielekonsole“. Macht ja nix, denn solange sich die Userkommentare auf ein freudiges „So ein X [hier bitte das X gegen das eigene Lieblingssystem austauschen, Anm.] hatte ich auch“ beschränken, muß man ja keine bösen Worte fürchten. Außer von Hardcore-C64-Fans berüchtigter Special-Interest-Magazine, die sich in ihrer Kolumne grinsend über die Stumpfsinnigkeiten ahnungsloser Kollegen hermachen. Und wen stören die schon?
So, war das jetzt schlimm genug? Gut. Schlimmer als die Texte an sich finde ich nur, daß die Recherche für diese drei Beispiele ungefähr schlappe fünf Minuten Zeit in Anspruch nahm und jeden Monat erfolgreich wiederholt werden kann. Der C64 muß viel erdulden, wenn er von großen Redaktionen ins Visier genommen wird. Da wird gezerrt, geschüttelt und gerührt, bis zum Schluß nichts Gutes rauskommt. Verdient hat er das nicht. Beenden wir das Ganze deshalb ausnahmsweise einmal mit einer ordentlichen Portion Eigenlob: Wie schön, daß es deshalb die RETRO gibt. Und wenn es zur Ehrenrettung des erfolgreichen Computersystems der Welt ist.

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Pressespiegel (21/1)

Der C64 hat es nicht leicht in den deutschsprachigen Medien – außer bei uns natürlich. Und in einigen anderen befreundeten Magazinen und Produktionen. Aber in der großen, weiten Mainstreammedienwelt muß er viel aushalten, viel mitmachen und viel verzeihen können. Es scheint für einige Kolleginnen und Kollegen sehr schwer zu sein, dem System auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Nun mache ich diesen Pressespiegel (und damit diese Medienbeobachtungen) bereits seit über fünf Jahren und denke daher einen gewissen Erfahrungsschatz angehäuft zu haben, der mir zumindest erlaubt, einige grobe Skizzen der medialen C64-Repräsentanz anfertigen zu können – und das Ergebnis ist … sehr seltsam. Und gut geeignet für ordentliches Fremdschämen. Beispiele gefällig? Kein Problem …

Beispiel 1: Nepp. T-Online bringt einen Beitrag mit der Überschrift „Die größten Heimcomputer-Legenden“. Das klingt nicht nur nach einer dünnen Sendung von RTL2, sondern liest sich auch so. Dazu gibt es zum Durchklicken eine dieser berühmt-berüchtigten Bilderserien. Sie wissen schon: viel Geklicke, wenig Neues. [LINK>605] Die Frage, die sich dem geneigten Brotkastenfan hier nach der Lektüre dieses t-ollen Artikels stellt, ist: Was soll das? Der Beitrag ist mediales Fastfood: erschreckend farblos, keinesfalls reichhaltig, mäßig erfreulich und allzu schnell vergessen. Hier scheint man – auch aufgrund der banalen Bilderstrecke – einfach mal ein paar Klicks erheischen zu wollen, mit dem Schlagwort „Retro“ als Köder. Ich bin mir nicht sicher, aber das könnte etwas kurz gedacht sein, denn den nächsten T-Online-C64-Artikel klickt man dann – wenn man nicht gerade einen Pressespiegel schreibt – wohl nicht mehr an, aus Angst um die kostbare Lebenszeit und die verschwendete Energie. Oder doch? Vielleicht, weil die Hoffnung eines Retrofans zuletzt stirbt? Oder weil es in den großen Redaktionen meist eh nur solch Einheitsbrei gibt und man schon gar nichts Besseres mehr erhoffen mag?

Beispiel 2: Plattheiten. Mario-Barth-verdächtigen Klischeealarm löste ein SpOn-Artikel aus, in dem zwei Frauen Anfang Dreißig beschreiben, wie es den Jungs (!) damals in den 90ern mit dem C64 und – festhalten, Oberklischeealarm! – Summer bzw. Winter Games erging. Das kann nur schiefgehen. [LINK>606] Kostprobe gefällig? Aber gerne: Was machten die Jungs so? Sie „zwängten“ sich „den schwarzen Joystick (…) wie ein Penisimitat zwischen die Oberschenkel“ und bekamen „Druckstellen an den Händen von übermäßigem Joystick-Gebrauch“. Wie ernährten sie sich und wie sahen sie aus? Natürlich zweimal klischeehaft mies: „Die einzigen warmen Mahlzeiten bestanden aus Pizza-Baguette Funghi, die die besorgte Mutter von Zeit zu Zeit hereintrug und anmerkte, dass man etwas blass um die Nase sei und frische Luft nicht schaden könne.“ Was war die Folge dieser „Stumpfheit“? „Eine nicht zu vernachlässigende Zahl an jugendlichen Sehnenscheidenentzündungen“. Wow. Soviel Unsinn auf einmal habe ich schon lange nicht mehr in einem Artikel entdeckt, in dem der C64 eine tragende Rolle spielen soll. Was die Mädels in der Zeit gemacht haben, in der ihre gleichaltrigen Kumpels glücklich gezockt haben, verraten sie leider nicht, aber es scheint wohl auch nicht der Rede wert zu sein. Traurig, so eine langweilige Jugend …

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RETRO-Lounge [85]: Alle wollen Smartphones

Wer sich heute ein Smartphone kauft, mag vielleicht nur ans iPhone oder an Android-Geräte denken. Dabei liegen die Anfänge der Smartphones viel weiter zurück als nur vier, fünf Jahre. Wenn der Branchenverband BITKOM davon schwärmt, daß zuletzt 30 Prozent Anstieg beim Smartphoneverkauf in Deutschland zu verzeichnen waren, wird im Allgemeinen gerne vergessen, daß diese Geräte nicht nur schon sehr lange auf dem Markt sind, sondern auch die Early Adopters hier entsprechend veeeeeeery early aktiv waren. (In meinem Falle bereits 1997. Das ist nun schon so dermaßen lange her, daß ich zwischendurch beinahe schon eher den Tod der Smartphone-Idee als ihren endgültigen Siegeszug kommen sah – wie gesagt: beinahe. Letztlich wurde ja doch alles gut.) Und inzwischen ist der Text bei onlinekosten.de, den ich vor fünfeinhalb Jahren (!) dazu schrieb, auch schon wieder retro, nicht nur die ersten Smartphones … doch lest einfach selbst: eine kleine Anekdote zum Wochenende aus einer Zeit, als das iPhone noch keine Rolle spielte

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Vor 30 Jahren: Da, da, da

Wenn uns SpOn schon so ein interessantes Interview mit Peter Behrens, dem Schlagzeuger der Band Trio zum 30jährigen Jubiläum des Megahits „Da, da, da“ bietet, sollte eine Sache nicht unerwähnt bleiben: der Song dürfte nicht nur der erste Digitalpopsong Deutschlands, sondern auch der erfolgreichste Spielzeug-Keyboard-Hit aller Zeiten sein – und damit echtes Retrokulturgut.

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RETRO-Lounge [84]: 25 Jahre C64-Freude – guten Rutsch!

1986 fing alles an. Deshalb ist 2011 das Jahr, in dem sich mein erster C64-Kontakt zum 25sten Mal jährt – und dieses Jahr endet in wenigen Stunden. Wow! Nach gebrauchten, geborgten und anderweitig erbeuteten Brotkästen kam dann 1988 diese brandneue Errungenschaft ins KinderJugendzimmer. Warum gerade diese? Nun ja: der einzige Laden, den ich damals in unserer Nähe fand, war Vobis – und die hatten nur dieses C64-Set vorrätig. Eine 1541-II gabs noch oben drauf (die war dafür ´88 brandneu und somit auch entsprechend teuer) – und schon war der Junge insgesamt über 600 DM los. Daß es sich natürlich absolut gelohnt hat, steht wohl außer Frage. (Sonst gäbe es diese Website ja auch nicht …)

1991 verblaßte das Interesse am Brotkasten ein wenig, denn es kam ein Amiga 500 dazu, der natürlich noch ein wenig faszinierender war (der echte Retrocharme konnte bei einem frischen System natürlich noch nicht einsetzen, spannend war hier – wenig überraschend – vor allem der technische Fortschritt). Der Brotkasten trat in die zweite Reihe, in der er allerdings nicht lange allein verweilen mußte: nur wenig später folgte ihm bereits der A500 – und dem folgten wiederum ein A500plus, ein A600, ein A2000, ein A1000 (!) sowie ein C64C, ein C128 und ein C128D. Geplant waren immer mal wieder ein A4000 (da war Commodore aber schon in schwerem Fahrwasser und die potentielle Investition fragwürdig) und – fragt mich bitte nicht, warum – ein A3000UX. (Die Unix-Frage löste ich dann u.a. auf dem A2000, der das tadellos hinbekam.)

Tja, und irgendwann im Laufe der Jahre wurde die zweite Rechner-Reihe letztlich die spannendere – danke, Windows! Man kann zusammenfassend sagen: es war nicht weniger als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Und ich bin mir sicher, daß es nicht nur mir so ging: Jeder aus dem RETRO-Team kann mit Sicherheit solche oder ähnliche Geschichten erzählen und deshalb schauen wir auch hoffnungsfroh ins neue Jahr, voller Elan und mit viel Neugier auf neue und alte Systeme, um diese Freundschaft fortzuführen. Denn soviel steht jetzt schon fest: retromäßig wird es mit Sicherheit spannend.

Genießt die Retrokultur in 2012! Guten Rutsch ins neue Jahr!

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RETRO-Lounge [83]: Ehrliche fünf Sekunden: We are not delighted, Mrs Kroes!

Neelie Kroes scheint den mehrfach gescheiterten Ex-Minister Guttenberg ja aus irgendeinem Grund ganz fest ins Herz geschlossen zu haben, sonst hätte sie wohl kaum dermaßen oft und stoisch während der Pressekonferenz zum EU-Projekt „No disconnect“ betont, daß sie total „delighted“ über sein Mitwirken sei. Sehr große Teile der digital aktiven Deutschen, zum Beispiel zahlreiche Twitter-User, scheinen dieses Entzücken keineswegs zu teilen. Kein Wunder: es gibt eigentlich nichts, was Guttenberg zu der hochgradig sensiblen und spannenden Thematik substantiell beitragen, geschweige denn ihm einen entsprechenden Expertenstatus zukommen lassen könnte. Mir fallen hier spontan Dutzende Menschen ein, die ungleich kompetenter und geeigneter sind für diesen Job. Aber irgendetwas jenseits echter Kompetenz muß es ja sein, was Frau Kroes so entzückt hat. Wir konnten es auf der Pressekonferenz leider nicht erfahren. Schade.

Neelie Kroes & RETRO

Kleine Wette gefällig? Ich sage: Guttenberg wird auch diesmal versuchen, seine Inhaltslosigkeit durch Inszenierung zu übertünchen. Denn warum sollte jemand, der diese Strategie ein Leben lang eingesetzt hat, nun innerhalb weniger Monate davon abkommen, von diesem ganz besonderen, großspurigen Gehabe, gespeist vom (irrigen) Gefühl einer Art natürlicher Überlegenheit, getragen vom satten Brustton der Überzeugung, kurz: von der Inszenierung? Weil er aus Schaden klug geworden ist? Das wäre natürlich ein veritabler Grund, aber davon ist schon allein deshalb nicht auszugehen, weil er dann diesen Beraterposten gar nicht erst angenommen hätte.

Kann er also auch anders? Grundsätzlich und unter bestimmten Voraussetzungen natürlich schon. Aber Guttenberg spult auch diesmal seine nicht gerade sympathische Großspurigkeit ab, so wie in den ersten fünf Sekunden dieses Videoauschnitts, in denen er die Journalistenfrage beantwortet, warum dieser Auftritt kein Comeback in der deutschen Politik sei:

Seriously, Mrs Kroes, we are not delighted.

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Digitization eliminates sounds and experiences

Very nice idea: the collection of „11 Sounds That Your Kids Have Probably Never Heard“ with just two examples here:

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RETRO-Lounge [82]: Harsche Kritik an „Nerd Attack!“

Die Rezension der Süddeutschen kommt recht hart rüber, wie ich finde:

Was sagt es eigentlich über eine Zeit aus, wenn sich selbst die technische Avantgarde darin gefällt, mit verklärendem Blick auf die guten alten Zeiten zurückzuschauen?

Ist „Nerd Attack!“ von Christian Stöcker, ein Buch über die „Generation C64″, so leicht anzugreifen? Was haltet ihr von der Kritik?

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Bock auf eine Firmengründung? Steve Jobs hilft!

Steve Jobs pur: „Biography of the creation of NeXT, the Apple we know today.“

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Supremacy/Overlord auf dem Chipophone: da freut sich der Komponist!

Das begeistert nicht nur Jeroen, der via Facebook davon schwärmte:

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