RETRO-Lounge [53]: Internet-Bashing bei der ZEIT

Ich bin überrascht bis erschrocken. Waren wir nicht schon längst weiter? Braucht man als Autor wirklich plattes Internet-Bashing, um einen Artikel „reizvoller“ zu machen oder die Kommentarschlachten anzuheizen? Wäre Substanz nicht die bessere Wahl? Hier fehlt sie leider:

„Mit dem Internet ist eine zweite, virtuelle Welt von rasant wachsender Bedeutung entstanden, in der die freie Betätigung der Individuen zu massenhafter Anarchie führt, der Rechtsstaat gilt hier nicht wirklich, er läuft nur gelegentlich Patrouille. Gleichzeitig bilden sich mit Google oder Apple übermächtige Oligopole. Deren Fähigkeit, die Menschen zu überwachen, zu bevormunden und zu manipulieren, übertrifft oft schon jetzt die entsprechenden Möglichkeiten von Staaten, jedenfalls von demokratischen. Bürgerliche Rechte wie das Urheberrecht werden mit Füßen getreten.“

„Warum verbindet niemand die FDP mit der Forderung, dass der Rechtsstaat nun endlich auch im Internet durchgesetzt werden muss?“

(aus: Geistig-politische Leere, ZEIT ONLINE, 14.2.2010)

Über Stephan Humer

Mitbegründer und -herausgeber von Magazin und Website. Und das, ohne das Label „Generation C64″ wie eine Monstranz vor sich her zu tragen. Mag es, über die Grenzen der Chips hinauszuschauen.

3 Gedanken zu „RETRO-Lounge [53]: Internet-Bashing bei der ZEIT

  1. Das Internet… das große, unheimliche Gebilde! ;-)
    Die Vergleiche in dem Artikel künden nur von absoluter Unkenntnis für Technik, wie wir es ja bereits aus der Politik her kennen. Der Vergleich zwischen Google und demokratischen Staaten ist absolut an den Haaren herbei gezogen. Apple, trotz des zur Zeit vorhandenen Hypes oder gerade deshalb als Oligopol zu bezeichnen wirkt fast schon lächerlich. Bürgerliche Rechte (oder besser Firmenrechte) wie das Urheberrecht anzuführen, wirkt eher wie ein konfuses Argumentieren im Zeitalter von Creative Commons & Open Source. Anarchie gibt es im Internet kaum oder besser gesagt gar nicht. Der Rechtsstaat ist präsent (auch ohne Stopp-Schilder!) das zeigen schon die Unmengen von Abmahn-Verfahren, die gegen Internetnutzer ausgesprochen werden, weil selbige unerlaubt ein Lied oder ein Bild herunter oder herauf geladen haben. Es stimmt schon, dass das Internet von wachsender Bedeutung ist, aber das war das Telefon auch als es 1837 eingeführt wurde. Und mit Sicherheit gab es damals auch schon mahnende & warnende Stimmen gegen dieses „Teufelsding“!

  2. Kurze Frage am Rande: Gibt es schon einen Termin für das neue Heft? Warte gespannt darauf, um ehrlich zu sein…

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