Auf der Suche nach dem Retrofeeling: Besuch in verschiedenen Laboren

Ab und zu gehe ich ja bekanntlich durch unsere Welt und schaue, ob ich in völlig anderen Lebenswelten die bekannten Retro(computing)muster wiederfinde: Werden irgendwo noch alte Ideen eingesetzt? Sind irgendwo noch echte technische Pioniere am Werk? Haben manche Verfahren immer noch ihren ganz eigenen Reiz und sind nicht wirklich durch neue Lösungen zu ersetzen? Diesmal habe ich mir die außeruniversitäre Forschung und einige ihrer Testverfahren angeschaut, mit denen ich jüngst in Kontakt kam, und habe festgestellt: hier sieht es völlig anders aus als erwartet. Nix mehr mit Freud und anderen alten Klassikern!

Es existieren ganz unterschiedliche Testverfahren. Vor allem im Bereich der Diagnostik finden sehr moderne Verfahren breite Anwendung. Sie stellen Prozesse nach und untersuchen die Auswirkungen auf diese Ergebnisse. Man darf sich von diesem Artikel allerdings keine umfassende Beschreibung erwarten. Viele der hier vorgestellten Testverfahren sind über lange Zeiträume entwickelt worden. Daher wäre eine umfassende Erklärung auch in einem kurzen Rahmen nicht zweckdienlich. Ich möchte Sie lediglich einladen, mit mir auf Mustersuche zu gehen. Der erste Blick sagt jedoch: Modernität ist Trumpf. Bisher nicht viel Retro entdeckt. Oder kennen Sie sehr alte diagnostische Verfahren, die inzwischen nicht mindestens einmal überarbeitet oder gar ersetzt worden sind? Wenn ja, dann dürften das sehr seltene Fälle sein. Sehr, sehr selten!

Aus Sicht eines Praktikers geht es bei allen vorgestellten Testverfahren immer um die Kennwerte im Zusammenhang mit der täglichen Anwendung. Diese Erkenntnis steht im Mittelpunkt der Betrachtung. Zu den wichtigsten Verfahren zählen die klinischen Testverfahren. Auch der Gießen-Test ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, denn er wurde 2012 grundlegend überarbeitet und wird seitdem als „Gießen-Test II“ eingesetzt. Ergo: schon wieder nix mit Retrofeeling. Den Test beginnt man in der Regel mit dem Ausfüllen eines Fragebogens. Durch die diagnostische Messung erfolgt dann die Eingabe der Daten in ein Datenblatt über einen Vergleichszeitraum. Dadurch erhält der Wissenschaftler einen sehr guten Vergleichszeitraum aus dem Daten gewonnen werden können. Im Prinzip sind in Unternehmen ganze Abteilungen mit der Durchführung dieser Tests beschäftigt. Es ist auch der Gesetzgeber, der die entsprechenden Verordnungen erlässt und Rahmenbedingungen setzt und deren Einhaltung auch knallhart einfordert. Das Unternehmen hat diese Vorschriften einzuhalten. Retrofeeling? Gleich Null. 2012 ist schlicht noch zu frisch, die Überarbeitung grundlegend. Schade.

In diesem Zusammenhang nimmt die Permeation eine wichtige Stellung ein. Darunter lässt sich ein (uralter) Vorgang verstehen, in dem ein chemischer Stoff (es handelt sich um das sogenannte Permeat – daher auch der Name des Testverfahrens) einen Festkörper durchdringt. Es ist ein Testverfahren, welches in vereinfachten Modellrechnungen zur Anwendung kommt. Vor allem im Bereich der Messung von Konzentrationsdaten wird das Verfahren verwendet. Der chemische Vorgang ist schlüssig. Der zu untersuchende Stoff wird zu jenem Stoff mit geringer Konzentration geführt. Hier sind mehrere Schritte zu beachten. Der erste Teilschritt nennt sich die sogenannte Sorption. Hier wird die Auswirkung auf die Grenzfläche betrachtet. Vor allem handelt es sich um die gelösten chemischen Stoffe in Form von Gasen oder Dämpfen, die an der Oberfläche aufkommen. In einem zweiten Teilschritt kommt es zur Diffusion. Hier durchdringt der Stoff das Material durch Poren. In einem abschließenden Schritt kommt es zur Entweichung des Gases auf der Parallelseite des Stoffes. Doch so „schön alt“ auch der (simple) Prozeß an sich ist: Permeation findet (zu meiner „Freude“) in hochmodernen Kontexten und hochmodernen wissenschaftlichen Laboren statt. Materialprüfer werden wissen, was ich meine. Forschung und Anwendung sind brutal modern, „Alt“ ist hier nix.

Okay, da hatte ich jetzt schon mal seltenen Kontakt mit psychologischen und physikalischen Tests und schon wurde wieder mal klar: den C64, der noch irgendwo eine Uhr steuert oder einen Kühlschrank kühl hält (oder irgendetwas Ähnliches tut), den kann es schon aus gesetzlichen Gründen natürlich kaum mehr geben. Die Anforderungen sind hoch, so daß der Alltag eigentlich keinen Raum für Retrofeeling läßt. Es ist anscheinend ein wenig wie mit Oldtimern: ja, man duldet sie, unterstützt sie sogar durch ein eigenes Kennzeichen, Steuervorteile, Oldtimervereine usw., aber irgendwie sagt man auch klipp und klar: Nische, und gut is! Nun, ich bin ja auch nicht wirklich so naiv und glaube tatsächlich an verbliebenes Retrocomputing in vielen (mir noch unbekannten) Lebens- und Arbeitsbereichen. Aber ein paar nette Überraschungen, beispielsweise hinsichtlich der Denkweise oder Tradition, wären schon schön. Nur: diesmal wars nix. Beim nächsten Mal vielleicht. Im Lockdown bekommt man außer Arbeitsplätzen ja nicht viel zu sehen, deshalb schaue ich weiter nach spannenden Bereichen, in denen vielleicht doch noch zumindest das ein oder andere Verhaltensmuster aus der Retrozeit zu finden sein könnte. Stay tuned!

Über Dieter

Dieter ist Zocker alter und Gambler ganz alter Schule. Er treibt sich gleichermaßen auf Retropartys und in den Casinos dieser Welt rum. Inzwischen nur noch wenige Jahre von der Rente entfernt, widmet der Finanzberater seine Freizeit vorrangig dem C64, aber auch Maschinen von Atari. Wenn Dieter zockt, dann sowohl mit als auch ohne Geld.