Woher kommt der Hype um alte Pokémon Karten bei Streamern und YouTubern?

Mitte der 2000er waren die Pokémon-Sammelkarten praktisch ein Muss und sie waren „in“. Die Fans sammelten und tauschten auf Teufel komm raus. Heute wechseln seltene Karten mittlerweile zu Rekordpreisen die Besitzer. Ohne Frage, es gibt Retro-Spielzeug, mit dem heute viel Geld zu machen ist.Das muß ich euch hier und jetzt nicht erklären. Aber: Dazu gehören auch die Pokémon-Sammelkarten. Aktuell wird der Hype um diese Karten von Youtubern und Twitch-Streamern ordentlich vorangetrieben.

Bezahlt wird per PayPal oder sogar mit Kryptowährungen

Der US-YouTuber Logan Paul ist ganz vorn mit dabei. Er gibt an, dass er für Boxen mit Sammelkarten zwei Millionen US-Dollar ausgegeben hat. Es wird alles gegeben, bei der Jagd nach den seltenen Glitzerkarten, die bei Versteigerungen Rekordwerte erzielen. Bei einer Auktion im Oktober 2020 wurde ein Holo-Glurak der ersten Auflage für über 200.000 US-Dollar verkauft und das war weitaus mehr wie die Erwartung von 80.000 US-Dollar. Bezahlt wird per PayPal oder sogar mit Kryptowährungen, wenn eine Karte verkauft bzw. gekauft wird. Auch bei der Auktion von Logan Paul war das Bezahlen mit Kryptowährungen möglich: Dennoch ist die Bezahlung mit Kryptowährungen beim Online-Kauf noch lange nicht so weit verbreitet wie in anderen Bereichen. Eine besonders hohe Akzeptanz und Nutzung zeigt sich bei Online Casinos. Im Glückspielsektor wird die Kryptowährung bereits als Zahlungsmittel der Zukunft debattiert und erlebt derzeit einen rasanten Aufstieg.

Selbst die deutsche Szene ist von diesem Hype bereits infiziert worden. Der Streamer Trymacs aus Hamburg ist seit Ende 2020 mit dabei und beschäftigt sich mit den Pokémon-Sammelkarten. Ähnlich wie die sogenannten Box-Breaks von Logan Paul laufen seine Videos ab. Eine sogenannte Display-Box wird für eine irre Summe gekauft – dabei handelt es sich um eine Schachtel, in der die kleinen Päckchen mit den zusätzlichen Karten im Laden liegen und mit der ein Kartensatz aufgewertet werden kann. Jede einzelne Verpackung wird dann nach und nach geöffnet und jede Karte wird gezeigt, wobei die Wertvollen erst am Ende gezeigt werden, um die Spannung zu erhalten.

Wer einmal darüber nachdenkt, der wird hier eine Verbindung zum Glücksspiel finden. Denn schließlich ist der Kauf dieser Pokémon Booster im Prinzip mit Glück verbunden, denn niemand weiß, was in dem Päckchen verborgen ist. Hinzu kommt, dass nicht jede Karte Unsummen wert ist. Der Wert einer Karte richtet sich nach der Häufigkeit in den Sets sowie nach der Auflage, aus der diese stammt.

Ist es möglich, mit Pokémon-Karten reich zu werden?

Für die Pokémon-Spielkarten geben Streamer und YouTuber Hunderttausende von Dollar aus, wobei der Mix aus Hype und Nostalgie die Preise für die Sammelobjekte nach oben treibt. Da fragt sich doch jeder, ob sich der Gang auf den Dachboden oder in den Keller lohnt.

Ende der Neunziger Jahre waren die Sammelkarten zusammen mit dem Gameboy-Spiel auf den Markt gekommen. Seit diesem Zeitpunkt sind sie ein Hype, der nicht abreißt. Doch heute sind diese Pokémon-Karten wesentlich kostspieliger, als das Taschengeld erlaubt. Für einem aktuellen Booster-Pack, in dem 10 zufällige Karten enthalten sind, müssen rund 10 Euro hingeblättert werden. Wer sich jedoch für die älteren Karten entscheidet, die nicht mehr hergestellt werden, betritt eine Welt, die von Sammlern und Investoren dominiert wird.

Wird der Hype eingedämpft?

Es ist durchaus möglich, dass eine Karte, die einen sehr guten Zustand aufweist und eventuell sogar noch originalverpackt ist, durchaus mehrere tausend Euro wert ist. Somit kann sich der Blick in den Keller oder auf den Dachboden durchaus lohnen. Mit etwas Glück können Pokémon-Karten, die selten sind, einen guten Zustand aufweisen und aus späteren Auflagen stammen, durchaus noch über hundert Euro bringen – doch reich wird niemand damit. Somit ist es eine Art Glücksspiel, wenn man im Besitz einer oder mehrerer Karten ist, welche Summe am Ende damit erzielt wird.

Hinzu kommt, dass die Pokémon Company, der Hersteller der Karten, den Investoren und Sammlern die Suppe versalzen könnte und den Hype zumindest eindämpfen kann. Denn ein Tweet zeigt, das die steigenden Preise an dem Unternehmen nicht vorbeigegangen ist. Neben der gestiegenen Nachfrage sind auch die Versandbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie schuld an dem Hype. Das Unternehmen erklärte, dass man so schnell wie möglich betroffene Karten nachdrucken werde, sobald es die Kapazitäten erlauben.

Dies wird für die Sammler und Investoren eine schmerzhafte Lektion sein, wie der Sammelkarten-Experte Browning einschätzt. Allerdings dürften Karten wie bspw. Glitzer-Gluraks aus der ersten Auflage kaum von den Nachdrucken betroffen sein. Aber es könnte dazu kommen, dass die seltenen Karten aus den späteren Sets im Wert sinken werden.

Spekulation, Nostalgie oder Glücksspiel?

Darüber hinaus ist es völlig offen, wie es weiter geht mit dem Hype, denn die YouTuber und Streamer werden irgendwann das Interesse an diesen Pokémon-Karten verlieren. Das heißt, welche Streamer oder besser wie viele werden aufgrund der Nostalgie und der Leidenschaft diesem Sammel-Hobby weiter nachgehen und wie viele Zuschauer werden zuschalten? Sicherlich wird sich diese Frage erst dann beantworten, wenn der Aspekt des „Glücksspiels“ im Vordergrund stehen wird. Hinzu kommt, dass viele Streamer und YouTuber sich den Pokémonkarten auch nur widmen, da diese (derzeit) hohe Zuschauerzahlen bringen.

Momentan ist es dann wohl eher ein Glücksspiel, wenn mit diesen Sammelkarten gehandelt wird – und kein sicheres Investment.

Über Dieter

Dieter ist Zocker alter und Gambler ganz alter Schule. Er treibt sich gleichermaßen auf Retropartys und in den Casinos dieser Welt rum. Inzwischen nur noch wenige Jahre von der Rente entfernt, widmet der Finanzberater seine Freizeit vorrangig dem C64, aber auch Maschinen von Atari. Wenn Dieter zockt, dann sowohl mit als auch ohne Geld.