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Über Heinz

Es begann 1981 mit einem Sinclair ZX81. Über den ZX Spectrum, Schneider Computer und PC endete es beim iMac. In den 90er Jahren Artikelschreiber für Magazine, die es heute (leider) nicht mehr gibt.

Der Sinclair ZX Spectrum Next wird ausgeliefert

Mit zwei Jahren Verspätung kommt das Kickstarter ProjektZX Spectrum Next“ zu einem erfolgreichen Ende.

Das ambitionierte Projekt wollte nicht nur einen Nachbau des ZX Spectrum bieten – das hatte bereits der „Recreated ZX Spectrum“ erledigt. Vielmehr ist das Next-Gerät eine Weiterentwicklung der Vorgängermodelle aus den 80ern. Der Sinclair ZX Spectrum Next verfügt zum Beispiel über einen Z80 Prozessor mit Turbo Modus, 1 MB Arbeitsspeicher, Grafik mit Sprites, RGB/VGA/HDMI-Anschlüsse, Stereo-Audio oder auch einer Joystick-Buchse. Dieses Basismodell, das wir uns in ähnlicher Form schon in den 80ern gewünscht hätten, wurde bereits ausgeliefert. Das Plus-Modell mit Echtzeituhr und WiFi-Modul wird derzeit ausgeliefert. Fehlt noch das „Accelerated“- Modell mit zusätzlichem Raspi Board.

ZX Spectrum Next
Mit zwei Jahren Verspätung begann die Auslieferung des ZX Spectrum Next im Februar

Das Besondere am ZX Spectrum Next ist sicher, dass er nicht nur von der Reminiszenz an alte Zeiten lebt. Vielmehr ist es der Versuch, damalige Technologie in aktuellen Kontext zu stellen und damit auch wieder benutzbar zu machen. So wird der ZX Spectrum Next nicht nur mit dem neuen Betriebssystem ZXOS ausgeliefert, es liegt auch neue Software auf SD-Karte bei. Das Softwarehaus Rusty Pixels unterstützt das System mit kostenlosen und neuen Spielen.

Freude bei den Backern
OMG!!

Das Interesse am Sinclair ZX Spectrum Next war derart groß, dass die Projektgründer eine Neuauflage beschlossen haben. Wer jetzt keinen ZX Spectrum Next ergattern konnte bekommt damit eine neue Chance.

Bleibt nur noch zu erwähnen, dass noch ein weiteres Projekt der „Konkurrenz“ existiert: Das Mega65 Projekt möchte das von Commodore geplante Nachfolgemodell des C64 zu neuem Leben erwecken. Der Mega65 hat damit einen ähnlichen Ansatz – ist aber noch tief in der Entwicklung.

Heinz Rösner

Es gibt ihn wieder?
The C64 MicroComputer im Handel erhältlich!

C64 Maxi und Mini
Die beiden C64 Varianten: Mini und MicroComputer (Maxi)
Der Wiederauflage des Commodore 64 in Form des C64 Mini fand bereits ein großes Echo. Retro Games Ltd. sind den Wünschen der Fans entgegengekommen und haben einen (fast) eins zu eins Nachbau des Computerklassikers Commodore 64 in den Handel gebracht: The C64 MicroComputer.
C64 MicroComputer
Vom Original kaum zu unterscheiden.

Wer nie einen C64 besaß, aber gerne einen hätte oder ihn wiederhaben möchte – jetzt sollte er die Chance nutzen. Für rund 120 € bekommt man ein Gerät, das dem Original hinsichtlich Bildqualität und Funktionalität durchaus überlegen ist. Mit HDMI- und USB-Anschlüssen kann der C64 Programme auf USB-Sticks speichern bzw. von ihnen laden und praktisch an jeden aktuellen Fernseher oder Monitor angeschlossen werden. Die Stromversorgung geschieht über ein Mikro-USB Kabel, wobei das Netzteil nicht im Lieferumfang enthalten ist. Gegenüber dem C64 Mini hat man beim Joystick zugelegt und ein Gerät mit Mikroschaltern beigelegt. Wie beim kleinen Mini-Bruder sind 64 Spiele dabei, wobei sich die Zusammenstellung etwas geändert hat. Zusätzlich können Programme von Virtual Disks über den USB-Stick genutzt werden.

C64 MicroComputer mit Joystick
Tastatur wie das Original – dazu einen Joystick mit Mikroschaltern.

Der C64 steht mittlerweile in einer ganzen Reihe von Retro-Konsolen, welche die 8-Bit-Technik der 80er Jahre heute wieder salonfähig gemacht haben. Damals musste vor allem die Spielidee überzeugen, da die Grafikfähigkeiten sehr begrenzt waren. Was man mangels Ressourcen aus wenigen Kilobyte geholt hat, ist oft wahre Programmierkunst. Wer die Magie des weltweit meistverkauften Heimcomputers erleben will, ist mit dem C64 sicher gut beraten.

Antstream: „Netflix für Retro-Games“

Auf der Gamescom stellte das britische Unternehmen Antstream seine neue Plattform für Retro-Games vor. Das Besondere daran ist, dass die Games im Stream angeboten werden.

Antstream hat im Moment ungefähr 1.000 Titel lizensiert. Davon sollen rund 500 über die Streaming-Plattform abrufbar werden. Erweiterungen sowie regelmäßige Aktualisierungen des Angebots sind vorgesehen. So soll die Plattform immer wieder Neues bieten.

Die Games stammen von verschiedenen Systemen. Ob C64, Amiga, Nintendo oder ZX Spectrum – der Server sorgt dafür, dass die ursprüngliche Plattform keine Bedeutung mehr hat. Der Mitarbeiter von Antstream nannte den Dienst daher das „Netflix für Retro-Games“. Nach dem Vorbild muss man eine App installieren, die den Zugang zur Bibliothek gewährt. Game auswählen, anklicken und los geht es.

Das Problem der unterschiedlichen Spielsteuerungen hat man elegant gelöst. Alle Spiele sollen je nach Client mit Tastatur, Controller oder Touch-Steuerung spielbar sein. Die Demonstration auf einem iPad war durchaus eindrucksvoll. Hier wurden ein Steuerkreuz und Buttons in den Bildschirm eingeblendet. Vermutlich sind für die verschiedenen Plattformen noch allerhand Anpassungen notwendig, weshalb sich Antstream erst einmal auf die am meisten verbreiteten Betriebssysteme stützen will. Der Dienst soll demnächst für Android und Windows Betriebssysteme verfügbar werden. Weitere Plattformen sollen folgen – auf dem Messestand gab es neben dem bereits erwähnten iPad auch eine XBox zu sehen. Im Moment ist nur eine Vor-Registrierung möglich. Für Gamescom-Besucher gab es auf dem Handzettel einen Link mit Quiz, mit dem sich ein Jahr kostenloses Abo gewinnen lässt. Man ist also sehr bemüht, zum Start des Dienstes eine tragfähige Kunden-Basis zu haben.

Auf dem Messestand wurde eine Abo-Gebühr von 10 Dollar pro Monat genannt. Insofern orientiert man sich hier auch am Vorbild Netflix. Wenn man die Preise der Retro-Konsolen wie C64 Mini, Atari bzw. Megadrive Flashback oder Nintendo Classic berücksichtigt, könnte man für das selbe Geld mehrere Jahre Antstream finanzieren.
Alles in allem ist Antstream eine schöne Idee, Retro-Games einem größeren Publikum auf einfache Weise verfügbar zu machen. Wenn es Antstream gelingt, möglichst viele Top-Titel der verschiedenen Systeme zu lizenzieren und die problemlose Spielbarkeit der alten Software auf allen Geräten zu gewährleisten, dann sind die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start bzw. Betrieb gegeben.

H. Rösner

 

MuseumsForum

Digging Deep – Raritäten aus dem Nixdorf Keller

Das Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn ist ein Eldorado für den Retro Freund. Wo sonst bekommt man so viel Retro-Elektronik zu sehen wie im größten Computermuseum der Welt. Bis Anfang August 2018 bietet das Heinz Nixdorf MuseumsForum eine Raritätenschau mit Objekten aus dem Fundus: Digging Deep.

Im dritten Stock des Forums wurden thematische Räume gebildet um die Objekte in Szene zu setzen. Unter dem Motto „Kurioses und Kostbares“ hat man seltene Schreibmaschinen, eine Heureka Addiermaschine oder „die Mutter der Registrierkassen“ – eine NCR Tastenhebelkasse, zusammengestellt.

Lambert
Lambert Schreibmaschine Ende 19. Jahrhundert
Heureka Addiermaschine Anfang 20. Jahrhundert

Der zweite Raum ist Computern aus dem Osten gewidmet. Der Robotron EC 1834 erinnert sehr an die Siemens PCs – und das war kein Zufall. Die Heimcomputer 9001 oder KC87 wurden sogar in der Wirtschaft eingesetzt und haben eine von DDR-Ingenieuren angepasste CP/M Version als Betriebssystem.

Robotron Heimcomputer

Ein sowjetischer 8 Bit Computer in knalligem orange konnte Ende der 80er nur schwarz / weiß darstellen und war damit schätzungsweise 8 Jahre zurück.

Natürlich dürfen im Nixdorf Forum die Computer von Nixdorf nicht fehlen: Design und Funktion – Nixdorf setzt Maßstäbe. Hier sind es unter anderem gläserne Computer und Peripheriegeräte, die noch von Heinz Nixdorf für eine Wanderausstellung in Auftrag gegeben wurden. Das Inneleben der Monitore, Belegleser, Belegdrucker, Kombitastatur usw. offenbaren interessante Details. Die Fülle der Komponenten ist man heute gar nicht mehr gewohnt und das daraus resultierende Gewicht der Geräte war nicht unerheblich.

Gläserner PC 8810 M55 von Nixdorf – eine IBM XT Alternative

Bei den „Großen Minis“ steht man mannshohen Kästen gegenüber: Minicomputer aus den 70ern von der Digital Equipment Corporation oder Honeywell.

Ein Digital Equipment pdp8e 12-Bit-Rechner von 1970

Besonders interessant ist sicher der „Flops und Retro“ Raum. Der Philips Bildplattenspieler war einerseits seiner Zeit voraus, konnte andererseits dem VHS System nicht die Stirn bieten. Ein ähnliches Schicksal traf das Video 2000 System von Grundig.

Philips Laserdisc – mit analogen Bildinformationen

Flops von namhaften Herstellern sind dann z.B. ein Microsoft Zune Player, ein Minidisc Recorder von Sony,  der Apple Cube oder ein BTX Terminal von Loewe.Grund für den Flop waren hohe Preise (Cube, BTX Terminal), technische Mängel (Zune) oder schlechtes Marketing (Minidisc).

Loewe BTX (Bildschirmtext) Terminal – der Vorläufer des Internets von der Deutschen Post
Der Microsoft Zune Player sollte dem iPod Konkurrenz machen

Die Pippin Konsole von Apple dürfte als  Versuch, auf dem Konsolenmarkt Fuß zu fassen, hier kaum bekannt sein. Produziert von Bandai hatte es gegenüber der Playstation oder dem Sega Saturn kaum etwas zu bieten.

Apple Pippin Spielkonsole

Im letzten Raum wird es interaktiv – Computerspiele von damals zum ausprobieren unter dem Motto „Alles Retro – Computerspiele von gestern„.
Ein Telespiel war in den 70ern der letzte Schrei. Das Versandhaus Quelle vertrieb unter seiner Marke Universum ein Gerät, mit dem sich verschiedene Pong-artige Spiele abrufen liessen.

Universum Telespiel

Schließlich bietet das MuseumsForum in der Sonderausstellung noch Spaß mit mehreren Commodore VC20. Die einen können Erinnerungen auffrischen während andere staunen, womit wir uns vor über 30 Jahren beschäftigt haben.

Die hier angesprochenen Exponate sind nur ein Teil der Sonderausstellung. Ein Besuch lohnt sich – schließlich bekommt man mit der Dauerausstellung noch zwei Etagen voller Computergeschichte hinzu.

Heinz Rösner

Das Penna Keyboard macht aus dem Tablet eine Reiseschreibmaschine

Penna Keyboard

Es begann mit einem Kickstarter Projekt. Die Firma Elretron nahm sich vor, die gute alte Reiseschreibmaschine wiederzubeleben – zumindest vom Design her. Bewährte Formen aus dem letzten Jahrhundert können nicht so verkehrt sein. Heraus kam das Penna Keyboard

Die Tastatur ist in diversen Ausführungen verfügbar. Dies beginnt beim Gehäuse, welches in  verschiedenen Farben oder auch Holzdesign erhältlich ist. Mit der Auswahl der Tastenform  und des Anschlages macht Elretron das Tippen zu einem individuellen Erlebnis – deutsche Tastenbelegung inklusive. Bei den Tastenformen stehen zwei Arten zur Verfügung. Diamond Shape oder Retro Chrome. Während erstere an Tastaturen der 80er Jahre erinnert, geht Retro Chrome auf die Schreibmaschine zu Anfang des 20. Jahrhunderts zurück.Die Tastatur beherbergt dabei hochwertige Technik wie Cherry Schalter und Bluetooth 4.2 mit Multi Pairing. Auf Wunsch gibt es eine Kunstledertasche in edlem Design dazu. Jetzt fehlt nur noch ein Tablet und die moderne Reiseschreibmaschine ist komplett. Das Penna Keyboard verfügt über einen Schacht, in den man das Tablet im Hoch- oder Querformat hineinstellen kann.

Penna Keyboard in Olive Green mit iPad

Mit 99 Dollar ist die Tastatur kein Schnäppchen. Die Tasche kostet zusätzlich 40 Dollar und der Versand aus Korea mit DHL kostet noch einmal 39 Dollar zuzüglich deutsche Mehrwertsteuer bei Empfang. Es ist also kein billiges Vergnügen, aus seinem Tablet eine Reiseschreibmaschine zu machen. In der zweiten Auflage wird das Keyboard über ein Indiegogo Projekt finanziert und kostet ab 139 Dollar inklusive Versand. Aus produktionstechnischen Gründen gibt es die Tastatur leider nur noch mit US Layout und die Art der Schalter für den Anschlag ist nicht mehr wählbar. Das waren wohl zu viele Variationen in der ersten Auflage.

Das Penna Keyboard vereint Design und Funktionalität und daraus ergibt sich der Spaß an diesem Produkt. Es fühlt sich gut an, was den hochwertigen Komponenten geschuldet ist. Das Schreibgefühl ist perfekt. Als Besonderheit hat man aus dem Bügel, der bei der mechanischen Schreibmaschine für den Wagenrücklauf sorgte, zu einer Makrosteuerung gemacht. Bügel hoch zeichnet auf, Bügel runter spielt ab. Das erinnert an die ersten elektronischen Schreibmaschinen mit Zwischenspeicher.

Elretron spricht mit dem Penna Keyboard den Retro-Liebhaber an, der das Besondere sucht und auch bereit ist, dafür zu bezahlen. Mit 995% über dem Ziel ist das Projekt sehr lukrativ. Also: Augen auf beim nächsten Besuch im Computermuseum – vielleicht lauert dort ja die Geschäftsidee für das nächste Retro-Produkt.

Penna mit Retro Chrome Keycaps

H. Rösner

Filmtipp: SILICON COWBOYS – Die Geschichte von Compaq Computer

Im Jahr 1981 dominierte IBM die Welt der Computer. Drei Freunde gründeten in Houston ein Computerunternehmen, dessen Geschäftsidee ein tragbarer PC war. Dabei ging es den drei Entrepreneuren noch darum, einen zum IBM PC vollständig kompatiblen Computer zu bauen. Die Dokumentation „Silicon Cowboys“ ist eine David gegen Goliath Geschichte, in der die bedeutende Rolle von Compaq Computer für die Computerindustrie beleuchtet wird. Die unbedingt sehenswerte Dokumentation ist auf Netflix verfügbar.

Die Idee, einen Computer Klassiker in überarbeiteter Form erneut auf den Markt zu bringen ist nicht neu. Doch bislang war kein Projekt so erfolgreich wie der ZX Spectrum Next. Das Kickstarter Projekt fand 3.113 Unterstützer, die 723.390 £ (ca. 829.000 €) beigetragen haben. Damit wurde fast das dreifache des Zielbetrages erreicht.
Der Geldsegen zahlt sich für die Unterstützer aus. Sie bekommen jetzt mehr Speicher, ein gedrucktes Handbuch und zwei neue Spiele. Das Gerät soll im Januar 2018 ausgeliefert werden.

Retro Filmtipp: Micro Men

Die BBC Produktion aus dem Jahr 2009 erzählt die Geschichte der Heimcomputer von Sinclair und Acorn. Martin Freeman spielt Chris Curry, der Ende der 70er Jahre seinen Arbeitgeber Sinclair Radionics Ltd. verläßt um ein eigenes Unternehmen zu gründen, das unter dem Namen Acorn bekannt wurde. Eine Ausschreibung des BBC, die einen Computer für eine TV-Serie sucht, führt schließlich zum Kampf der Heimcomputersysteme.
Der sehenswerte Film ist in über Youtube verfügbar.