Schlagwort-Archive: Jack Tramiel

Pressespiegel (24)

Es gibt wieder viel zu berichten aus der sehr lebendigen Gegenwart des Brotkastens: Jubiläen, Partys, Veröffentlichungen – aber die mit Abstand wichtigste Nachricht der vergangenen Wochen markiert zweifelsohne das bedauerliche Ende einer äußerst erfolgreichen und wahrlich schillernden Ära, einer epochalen Entwicklung, ohne die all dies hier, im Pressespiegel und in der RETRO, kaum denkbar gewesen wäre: Jack Tramiel, Commodore-Überboss, Atari-Visionär und Management-Ikone der Heimcomputer-Frühzeit, ist tot. Dazu haben wir (und natürlich auch zahllose Kolleginnen und Kollegen) mehrfach Meldungen publiziert, so daß diese traurige Botschaft hier nun nicht noch mal besonders ausgeführt werden muß. Auch wenn Jack sicherlich kein C64-Fan aus Leidenschaft gewesen sein dürfte (anders als die Väter unseres Brotkastens), so erkannte er das (Markt-)Potenzial dieses Systems und führte es deshalb konsequent zum Erfolg. Allein schon für diese Weitsicht gebührt ihm unser Respekt, denn er hat unsere Jugend maßgeblich mitgeprägt und sich seinen Platz in der Computergeschichte zweifellos verdient.

Deshalb konnte man auch zu Recht den 30. Geburtstag des C64 feiern, beispielsweise auf dem inzwischen 13. Vintage Computer Festival Europe in München. Unser Autor Stefan schrieb Feines dazu: [LINK] Wer noch nicht da war: unbedingt fürs nächste Mal vormerken und hingehen!

Stefan war nicht nur in Sachen Party, sondern auch in punkto Sex sehr fleißig – aber es gab auch einen ernsten Anlaß: die Joystick-Rüttellegende „Sex Games“ wurde vom Index gestrichen! Auch dieses Spiel … nun ja … beschäftigte uns damals. Zumindest für einige Minuten. Bis man fertig war. Und nicht mehr konnte. „Tabu und Joystick – wie leicht bricht das!“ – schön gesagt, Stefan! [LINK]

Der letzte Teil der „Extraleben“-Trilogie von Constantin Gillies ist dieser Tage erschienen und mit „Endboss“ passend betitelt. Damit findet ein Überraschungserfolg seinen krönenden Abschluß, der zahlreichen Leserinnen und Lesern viel Freude bereitet haben dürfte. [LINK] Wir sind gespannt, ob Constantin demnächst mit einer neuen Idee an den Start geht. Daß er Retrocomputing-Romane schreiben kann, hat er auf jeden Fall dreimal eindrucksvoll bewiesen – da geht also noch was!

Auch im Bundestag geht noch was: „Die Generation C64 ist im Parlament in der Minderheit, im Netz aber die Avant-Garde der deutschen Politik.“ Der Brotkasten hat offenbar einen heilsamen Einfluß auf das Kommunikationsverhalten bundesdeutscher Volksvertreter. Computernutzung in früher Jugend bedeutet also nicht immer gleich Amoklauf-Risiko. Kann dies bitte mal jemand den digital abstinenten MdBs in einem Brief oder auf einer Postkarte schreiben? Kann auch eine ausgedruckte E-Mail sein, das reicht völlig. [LINK]

Beschließen wollen wir diesen Pressespiegel mit einem wirklich schönen Satz: „Die Stimmung fährt hoch wie bei einem Floppy eines C64.“ Das sollte man sich merken! (Und im Geiste auch gleich den unbestimmten Artikel korrigieren.) Doch worum geht’s hier überhaupt? Richtig, wie so oft kein bißchen um den Brotkasten, sondern um … den „Music Circus Ruhr“ im Schulte-Ostrop-Park in fabulous Oberhausen. Genau, sagte mir auch nix. Aber da das Ganze eine „leidenschaftliche Wiederauferstehung“ einer angeblich legendären 80er-/90er-Veranstaltung sein soll und das Wort „Revival“ fiel, fiel dem Autor dieses Textes wohl der C64 als passendes Beiwerk ein. Scheint ja einen prägenden Eindruck hinterlassen zu haben, unser Brotkasten – was uns wiederum natürlich nicht überraschen kann. Wie auch immer: der Satz ist wirklich … wie sagte man in den 80ern: schrill! (Heutzutage gibt’s dafür ein „Like“) Party on! [LINK]

Commodore-Gründer Jack Tramiel ist tot

Der Computerpionier und Gründer der legendären Firma Commodore, Jack Tramiel, ist nach Angaben u.a. von Forbes (unter Berufung auf Tramiels Familie) am 8. April im Alter von 83 Jahren gestorben.

Tramiel wurde 1928 unter dem Namen Jacek Trzmiel (bzw. Idek Tramielski) in Łódź, Polen, als Sohn jüdischer Eltern geboren. Er verlor beide Eltern während des 2. Weltkriegs, seine Mutter in KZ Auschwitz und seinen Vater im KZ-Außenlager Hannover-Ahlem. Nachdem er dort 1945 befreit wurde, emigrierte er 1947 in die USA und nahm den Namen Jack Tramiel an.

1953 gründete er Commodore Portable Typewriter, ein Geschäft zur Reparatur von Schreibmaschinen. Um Schreibmaschinen einer tschechoslowakischen Firma nach Nordamerika importieren und dort verkaufen zu können, verlagerte er auf Grund der Rechtslage seine Firma nach Toronto in Kanada, und benannte sie in Commodore Business Machines um.

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Neues Gameplan-Buch zu Aufstieg und Fall von Commodore

„Volkscomputer“ lässt die Chip- und System-Erfinder des Heimcomputer-Pioniers Commodore zu Wort kommen. Chuck Peddle (dessen 6502-CPU nicht nur in PET, VC-20 und C64 steckt, sondern auch in Atari VCS und Apple II), SID-Chip-Erfinder Bob Yannes und andere Ingenieure berichten in „Volkscomputer“ von den Irrungen und Wirrungen der frühen PC-Jahre und vom Ringen um den Massenmarkt.

Auf 368 Seiten schildert das neue Gameplan-Buch einen brutalen Verdrängungs-Wettkampf. Zentrale Gestalt der frühen Jahre ist der Holocaust-Überlebende Jack Tramiel, der seine  Schreibmaschinen-Firma zum Computer-Marktführer aufbaut und es Ende der 70er-Jahre mit einer neuen Generation von Informatik-Cracks zu tun bekommt, mit dem Studien-Abbrecher Bill Gates, der gegen eine Pauschale das Betriebssystem für die Commodore-Rechner verscherbelt, mit den System-Ingenieuren von Atari, mit Apple-Visionär Steve Jobs und mit den Japanern, die Tramiel wegen ihrer Aggressivität und Kampflust bewundert.