Schlagwort-Archive: Zeitgeist

Ein paar Gedanken zur Haltbarkeit

Dieser Tage habe ich mal wieder eine Bestandsaufnahme meiner technischen Geräte gemacht. Im Zuge einer weiteren medialen Entdigitalisierung haben sich ja gewisse Änderungen ergeben. Mein ältestes technisches bzw. mediales Gerät ist das Röhrenradio von 1954, mein topaktuellstes technisches Gerät ist der Pentium 166 von 1997. Das ist auch eine passende Trennlinie, denn spätestens um 1997 herum hatte ich ja gesagt, daß ich das Aufrüst- und Anpassungsspiel nicht mehr weiter mitspielen werde.

Ein paar Gedanken zur Haltbarkeit weiterlesen

Retromedien 2012

Um mal wieder ein paar etwas kontroverse Fragen zu stellen:

wenn man sich die letzten 3 oder 4 Seiten News hier auf der Webseite so ansieht, dann bestehen die (mit Ausnahme des langen Buchkapitels) zu einem großen Teil aus kurzen Beiträgen mit diversen Audio- und Youtube-Links. Was ich persönlich vermisse, sind längere und individuelle Beiträge, z.B. mit Retrogedanken, konkreten Artikeln oder Kritiken, die aus mehr als ein paar einleitenden Infozeilen und einem Media-Link bestehen. Kurz gesagt: Beiträge mit mehr Worten und individuellem Touch des Schreibers und nicht nur als kurze Überleitung zum sogenannten „zeitgemäßen“ media stream. Letztere führen IMO nur zu wenigen Kommentaren bzw. verlagert sich jede Form von Diskussion eher in Richtung von standardisierten Plattformen, die für mich persönlich mit einem echten (kritischen/non-kommerziellen) Retrogedanken nur sehr wenig zu tun haben.

Weiterführend könnte man sich natürlich die Frage stellen, warum heutzutage Retro-Gedanken überhaupt so deutlich fast nur noch über Standardformate und Standardkanäle übermittelt werden. Sollte man für Retro-Themen nicht auch bisweilen die passende „Verpackung“ haben? Wer keinerlei Möglichkeiten für Kanäle wie youtube, podcast, Web 2.0, Facebook-„Pflicht“ und sonstige up-to-date-Gepflogenheiten hat, bleibt schnell außen vor. Wobei die Retro-Webseite durch ihre topmoderne Gestaltung sowieso jeden Anwender älterer Browser aussperrt, da hilft auch kein pocketproxy mehr (wobei es den unter http://de.pocketproxy.com sowieso nicht mehr zu geben scheint).

Nun kann es natürlich sein, daß das alles nur mich betrifft. Dennoch würden mich ein paar Meinungen und Gedanken dazu interessieren.

Zeitgeist Privacy

Dieser Tage erhielt ich von Autor Christian Heller eine signierte Ausgabe seines Buches „Post Privacy„. Kurz gesagt geht es in dem Buch positiv gestimmt darum, wie das 21. Jahrhundert Welt und Mentalitäten grundlegend verändert hat und warum der Begriff des „Privaten“ altmodisch oder gar obsolet geworden ist, wo doch nun alles von einer digitalen Transparenz und Datenverfügbarkeit durchdrungen ist, mit der man sich letztendlich nur arrangieren kann.

Das Buch ist sehr schön und eloquent geschrieben und argumentiert, vertritt aber natürlich eine Philosophie, die absolut nicht die meine ist. Und des einen Utopie ist des anderen Dystopie. Aber sei es drum, das würde nun im Detail zu weit führen. Nur ganz kurz ein paar Gedanken:

Zeitgeist Privacy weiterlesen

Kleine Kritik am Retro-Magazin

Im Folgenden ein paar kritische Gedanken zur Entwicklung des Retro-Magazins. Ich bitte das Ganze als (hoffentlich) konstruktive Gedanken aufzufassen, denn ich halte das Magazin nach wie vor für eine gute und wichtige Zeitschrift. Allerdings konnte ich mit gewissen Entwicklungen „for a modern audience“ über die letzten Jahre oft nur wenig anfangen. Es mag aber an meinem sehr speziellen Weltbild liegen und daher als konstruktive Kritik auch kaum brauchbar sein. Wenn ich ein Heft gestalten müsste, dann würde es vermutlich aus Artikeln bestehen in der Art „Wie man dem 21. Jahrhundert kräftig in den Hintern tritt“ oder „Die 30 besten Spiele für 16-KB-Rechner“ und die Auflage wäre bald im Keller ;-). Aber man kann sich dennoch fragen, was jemand ohne modernen PC, ohne NextGen-Konsole, ohne neuestes Daddel-Handy, ohne iKram und ohne digitalen 21st century lifestyle eigentlich noch mit einer aktuellen Ausgabe des Magazins anfangen kann. Denn eigentlich sollte das Heft vom Namen her doch auch mit für diese Leute sein, oder? Das führt dann zu der weitergehenden Frage, was die Begriffe „Retro“ und „wirklich alternatives Computern“ heutzutage noch bedeuten.

Kleine Kritik am Retro-Magazin weiterlesen

Zu Recht vergessen?

Weil sich das Thema hier ja doch erstaunlicher Beliebtheit erfreut, noch eine kurze „subversive“ Anekdote. Man liest ja recht häufig online oder in Zeitschriften ziemlich negative Titulierungen für ältere Technik. Das ist etwas, das Schreibern in dieser Zeit sehr viel Freude zu machen scheint: Sperrmüll, angestaubt, Mottenkiste, Brechreiz-Pixel…die Liste geht weiter.

So las ich vor einigen Tagen in einem Blog, das sich öfter mit IT-Themen beschäftigt, einen Text über einen gar veralteten x86-Rechner mit (Zitat) „jämmerlicher Ausstattung“, der für die Moderne fit gemacht werden mußte.
Natürlich war der Text angefüllt mit abschätzigen Bemerkungen zum Rechner bzw. zu all jenem, das um- und aufgerüstet werden musste.

Zu Recht vergessen? weiterlesen

Subversives Retro?

Eine Sache, die ich mich öfter frage: hat sich das Thema „Retro“ durch seine Kommerzialisierung nicht zu sehr von seinem subversiven und hinterfragenden Potential entfernt?

Was bedeutet denn Retro in dieser Zeit überhaupt noch? Nur die Antwort auf die Frage, wo es den neuesten Download von Retro-Games für aktuelles Windows und irgendwelche iPhones gibt? Den neuesten Handheld mit Emulator? Die neueste Applikation mit digitaler 70er Blümchentapete? Den am wehmütigsten formulierten Rückblick in nostalgischem „Hach, weisste noch, wie es damals war“-Schema? Etwas, daß Leute betreiben, die neben ihrem fortschrittlichen Leben im 21. Jahrhundert noch ein bißchen Platz dafür haben? Etwas, daß man aber niemals zu Ernst nehmen sollte, um nicht als „Ewig Gestriger“ zu gelten?

Subversives Retro? weiterlesen

WALL-E und die digitale Revolution

Hier habe ich noch einen recht bizarren Beitrag vom letzten Jahr aus meinem Blog. Ich wurde damals dafür gescholten, daß ich „Popcorn-Kino“ zuviel Bedeutung zuspreche bzw. es für mein verqueres Weltbild instrumentalisiere. Das mag durchaus sein. Der Leser möge entscheiden. Was als Besprechung des Pixar-Films WALL-E beginnt, wird im Verlauf des Textes zumindest immer mehr auch zu einer Reflektion über den aktuellen Zeitgeist.

Jetzt wollte ich ja noch etwas Nettes über ein Produkt der aktuellen Zeit sagen. Und das fällt mir natürlich immer relativ schwer, denn prinzipiell mache ich ja einen großen Bogen um derlei Produkte und Kram (ganz nach dem Motto „Hast einmal du beschritten diesen Weg, für immer wird davon bestimmt dein Leben…“ ;-)).

Dennoch habe ich nach diversen, positiven Meinungen aus respektablen Richtungen nun doch den Scheibendreher aus dem Schrank geholt, etwas abgestaubt und mir Pixars neuesten Film „WALL-E“ angesehen. Und ich muss zugeben, dass ich tatsächlich äußerst beeindruckt bin – ein neumodischer CGI-Schnickschnack-Film, der aber gleichzeitig in diesem 21. Jahrhundert wie ein Licht in dunkler Nacht erscheint. Oder wie eine analoge Blume in der digitalen Ödnis. Phänomenal.

WALL-E und die digitale Revolution weiterlesen