Friedrich Kittler (1943–2011)
Am vergangenen Dienstag Morgen ist der Berliner Medien- und Kulturwissenschaftler Friedrich Kittler im Alter von 68 Jahren gestorben. Kittler hat die deutschen Geisteswissenschaften seit Anfang der 1980er Jahre maßgeblich geprägt, dadurch, dass er ihr medienhistorisches Apriori an die vorderste Stelle gerückt hat und in Büchern wie „Aufschreibesysteme 1800/1900″, „Grammophon – Film – Typewriter“ oder „Draculas Vermächtnis – Technische Schriften“ auf die Verflechtungen von Technik, Sprache, Psyche und Kunst hingewiesen hat. Seit 1993 ist er in Berlin Professor für Geschichte und Ästhetik der Medien am Institut Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität gewesen, wo er bis zuletzt lehrte und auftrat.
Kittlers besonderes Augenmerk galt dem Digitalcomputer, dem er als Erfindung des Krieges eine zentrale Bedeutung für das Verständnis der Kultur des 20. Jahrhunderts beimaß. Er beließ es hier jedoch nie bei fachfremden Beschreibungen, sondern rückte dem Medium als einer der ersten Geisteswissenschaftler mit Lötkolben und Assembler auf den Leib. Legendär sind seine Ausführungen über offene und geschlossene Hardware-Systeme, seine Programmier-Seminare und seine durch die Beschäftigung mit Computern geprägten Blicke auf unsere Kulturgeschichte bis hin zu den alten Griechen.
Im Juli trat Friedrich Kittler zum letzten mal öffentlich auf, um zusammen mit den Medienwissenschaften der Berliner Humboldt-Universität Abschied von der Institutsadresse Sophienstraße 22a zu nehmen. Dieser Ort steht national und international für die von Kittler gegründete Denk-Schule. Ich habe seinen Abschiedsgruß damals gefilmt und bei YouTube hochgeladen. Hier also noch einmal eine Möglichkeit, den späten Kittler bei einem sehr emotionalen und gleichsam auffordernden Auftritt zu erleben:
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