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Kleine Adventsüberraschung: Personelle Veränderung nach zehn Jahren Retrojournalismus

Im kommenden Jahr wird sich meine journalistische Zusammenarbeit mit dem CSW-Verlag zum zehnten Mal jähren. Zehn Jahre, das ist eine lange Zeit: von ersten Beiträgen in der GO64 über die Mitwirkung an Buchprojekten wie der „Commodore Story“ bis hin zur Mitarbeit an der erfolgreichsten Retrocomputingzeitschrift im deutschsprachigen Raum, unserer RETRO … viel ist seit 2003 geschehen und nicht immer war es ein leichter Weg, der jedoch stets spannend und anspruchsvoll war, letztlich immer auch lohnenswert und insgesamt mit viel Herzblut versehen.

Da zehn Jahre wie gesagt nun wirklich kein kurzer Zeitraum sind, wurde es, so mein Eindruck, Zeit für Veränderungen. Oder in aller Kürze und etwas konkreter formuliert: Ab dem 1.1.2013 werde ich nicht mehr als Editor at large für die RETRO schreiben.
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Pressespiegel (25)

Natürlich gibt es nur ein Thema, welches diesen Pressespiegel dominieren darf: die Gamescom in Köln. Warum eigentlich? Nun, es könnte an der wohl vollständigsten C64-Sammlung der Welt liegen, die unser Herausgeber Enno dort präsentiert hat. Es könnte an den alten Games – von Donkey Kong bis Turrican – liegen, die die Besucherinnen und Besucher mit Leidenschaft und Rührung gespielt haben und die so begehrt waren, daß man sich dafür durchaus mal eine ganze Weile in einer Warteschlange gedulden mußte. Es könnte aber schlicht und einfach auch daran liegen, daß die Gamescom das wohl größte massenkompatible Retrotreffen Deutschlands, wenn nicht vielleicht sogar der ganzen Welt ist, denn dort tauchten all diejenigen auf, die sich nicht zu Demopartys oder Hacker-Events trauen, trotzdem aber ebenso eine Retro-Vergangenheit haben. Und sie wurden mit dem größten Retrocomputingbereich aller Zeiten glücklich gemacht, wofür an dieser Stelle den zahllosen engagierten Mitwirkenden ganz herzlich aus dem tiefsten Innern des Retroistenherzens gedankt sei. Nur so wird aus Vergangenheit nicht nur Gegenwart, sondern Zukunft!

Man kann es natürlich auch ein wenig übertreiben: PC Games Hardware machte den C64 gleich 40 Jahre alt, was dann doch ein wenig zuviel Retrokultur wäre. Auf den Markt kam das Gerät schließlich im August 1982 und nicht `72. [LINK]

Richtig liegt PC Games Hardware dafür mit dem C65, auch wenn der Name für viele immer wieder nach einem Tippfehler klingt. [LINK] Es gibt ihn wirklich und wer heute einen haben möchte, dürfte dafür sehr tief in die Tasche greifen müssen. Die wenigen Exemplare, die überhaupt noch existieren, dürften sich preislich so langsam im fünfstelligen Euro-Bereich bewegen, wobei es tatsächlich nur um den Sammlerwert gehen dürfte. Nutzwert hat dieses schicke Gerät leider keinen – zu wenig Software, zu wenig Reichweite …

Schön zu sehen ist natürlich immer die Begeisterung der Regionalpresse für C64 und Co., denn anders als bei der Fachpresse sorgen hier technische Unbedarftheiten manchmal für ganz besonderen Spaß bei der Lektüre. Nicht so jedoch beim Trierischen Volksfreund! [LINK] Hier wird über die C64-Sonderausstellung gejubelt und die Fakten nicht so wild durcheinandergeworfen, wie dies ansonsten gern und häufig zu beobachten ist. Außerdem wird der geistige Hunger dieser Zeit sehr schön in Worte gefaßt: „Heute sind sie Relikte, aber in den 70ern und frühen 80ern waren die ersten Heimcomputer und Spielekonsolen Wundermaschinen, auf die sich eine technisch unterforderte Generation mit Begeisterung stürzte und nächtelang Pong, Pitfall und Pole Position spielte.“ Wie wahr, wie wahr …

In der Provinz wird nicht nur über Retro-Events geschrieben, sondern sie werden dort auch organisiert, so zum Beispiel im Computermuseum Enter in Solothurn, wo es eine Sonderausstellung „30 Jahre Commodore C64“ gibt. Ein Dutzend Brotkästen wartet laut it-markt.ch auf die Besucher, und sollte einmal etwas kaputtgehen, so ist das laut Veranstalter kein Problem: „Wir können alles wieder reparieren.“ [LINK]

Sowohl auf der Gamescom als auch auf kleineren Events wie dem in Solothurn wird ein C64-Spiel mit Sicherheit auf gar keinen Fall fehlen: Giana Sisters. Es wird ja nun nicht nur eine Neuauflage geben, sondern die beiden Schwestern dienen auch als Paradebeispiel für den Sound der damaligen Zeit: de.bug präsentiert sehr schön die Relevanz von Computerspielmusik in einem gelungenen Artikel. [LINK] Es geht ja um mehr als „nur“ Begleitmusik zum Spiel. Es geht um den Sound einer Jugend, um Eigengesetzlichkeiten, die den Retrokult maßgeblich mitprägen. Super Mario mag der wirtschaftlich Erfolgreichere sein, doch Giana und Maria sind einfach retro und keine bis zum Gehtnichtmehr ausgequetschte Gamezombies einer geschichtsvergessenen Spieleindustrie, die sich im Übrigen auch keineswegs so für die guten alten Zeiten ins Zeug wirft wie dies bei Autoherstellern mit ihren Oldtimerabteilungen innerhalb der Konzernstrukturen beispielsweise der Fall ist.

Man sollte eben nicht nur auf die Zukunft schauen, sondern immer das ganze Bild betrachten. Manche Systeme und Services leben eben länger als man denkt – beispielsweise der Videotext. Engadget berichtete deshalb auch über das Teletext-Festival, welches uns einen Monat lang mit Pixelgrafiken vom Feinsten versorgte. [LINK] Daß da der eine oder andere sicher auch an den C64 denken mußte, liegt auf der Hand. Aber so machte Fernsehen wenigstens mal wieder richtig Spaß …

Pressespiegel (24)

Es gibt wieder viel zu berichten aus der sehr lebendigen Gegenwart des Brotkastens: Jubiläen, Partys, Veröffentlichungen – aber die mit Abstand wichtigste Nachricht der vergangenen Wochen markiert zweifelsohne das bedauerliche Ende einer äußerst erfolgreichen und wahrlich schillernden Ära, einer epochalen Entwicklung, ohne die all dies hier, im Pressespiegel und in der RETRO, kaum denkbar gewesen wäre: Jack Tramiel, Commodore-Überboss, Atari-Visionär und Management-Ikone der Heimcomputer-Frühzeit, ist tot. Dazu haben wir (und natürlich auch zahllose Kolleginnen und Kollegen) mehrfach Meldungen publiziert, so daß diese traurige Botschaft hier nun nicht noch mal besonders ausgeführt werden muß. Auch wenn Jack sicherlich kein C64-Fan aus Leidenschaft gewesen sein dürfte (anders als die Väter unseres Brotkastens), so erkannte er das (Markt-)Potenzial dieses Systems und führte es deshalb konsequent zum Erfolg. Allein schon für diese Weitsicht gebührt ihm unser Respekt, denn er hat unsere Jugend maßgeblich mitgeprägt und sich seinen Platz in der Computergeschichte zweifellos verdient.

Deshalb konnte man auch zu Recht den 30. Geburtstag des C64 feiern, beispielsweise auf dem inzwischen 13. Vintage Computer Festival Europe in München. Unser Autor Stefan schrieb Feines dazu: [LINK] Wer noch nicht da war: unbedingt fürs nächste Mal vormerken und hingehen!

Stefan war nicht nur in Sachen Party, sondern auch in punkto Sex sehr fleißig – aber es gab auch einen ernsten Anlaß: die Joystick-Rüttellegende „Sex Games“ wurde vom Index gestrichen! Auch dieses Spiel … nun ja … beschäftigte uns damals. Zumindest für einige Minuten. Bis man fertig war. Und nicht mehr konnte. „Tabu und Joystick – wie leicht bricht das!“ – schön gesagt, Stefan! [LINK]

Der letzte Teil der „Extraleben“-Trilogie von Constantin Gillies ist dieser Tage erschienen und mit „Endboss“ passend betitelt. Damit findet ein Überraschungserfolg seinen krönenden Abschluß, der zahlreichen Leserinnen und Lesern viel Freude bereitet haben dürfte. [LINK] Wir sind gespannt, ob Constantin demnächst mit einer neuen Idee an den Start geht. Daß er Retrocomputing-Romane schreiben kann, hat er auf jeden Fall dreimal eindrucksvoll bewiesen – da geht also noch was!

Auch im Bundestag geht noch was: „Die Generation C64 ist im Parlament in der Minderheit, im Netz aber die Avant-Garde der deutschen Politik.“ Der Brotkasten hat offenbar einen heilsamen Einfluß auf das Kommunikationsverhalten bundesdeutscher Volksvertreter. Computernutzung in früher Jugend bedeutet also nicht immer gleich Amoklauf-Risiko. Kann dies bitte mal jemand den digital abstinenten MdBs in einem Brief oder auf einer Postkarte schreiben? Kann auch eine ausgedruckte E-Mail sein, das reicht völlig. [LINK]

Beschließen wollen wir diesen Pressespiegel mit einem wirklich schönen Satz: „Die Stimmung fährt hoch wie bei einem Floppy eines C64.“ Das sollte man sich merken! (Und im Geiste auch gleich den unbestimmten Artikel korrigieren.) Doch worum geht’s hier überhaupt? Richtig, wie so oft kein bißchen um den Brotkasten, sondern um … den „Music Circus Ruhr“ im Schulte-Ostrop-Park in fabulous Oberhausen. Genau, sagte mir auch nix. Aber da das Ganze eine „leidenschaftliche Wiederauferstehung“ einer angeblich legendären 80er-/90er-Veranstaltung sein soll und das Wort „Revival“ fiel, fiel dem Autor dieses Textes wohl der C64 als passendes Beiwerk ein. Scheint ja einen prägenden Eindruck hinterlassen zu haben, unser Brotkasten – was uns wiederum natürlich nicht überraschen kann. Wie auch immer: der Satz ist wirklich … wie sagte man in den 80ern: schrill! (Heutzutage gibt’s dafür ein „Like“) Party on! [LINK]

Pressespiegel (23)

Dieser Pressespiegel schaffte es ja leider nicht ins Heft, deshalb gibts ihn hier in vollem Umfang …

Eigentlich könnten wir happy sein: dank der fleißigen RETRO-Autoren gibt es immer mehr C64-Nachrichten, besonders auf der Website. Der Nachteil: so bleibt kaum mehr etwas Neues für mich und den Pressespiegel übrig. Versuchen wir trotzdem, etwas Besonderes daraus zu machen. Los gehts!

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Beitrag über … 30 Jahre C64? [LINK] Hm, nicht gut? Stimmt, hatten wir alles schon x-mal, inklusive der nervigen Bauernfängerei namens Klickstrecke.

Okay, nächster Versuch: wie stehts mit einem IT-Experten (egal welcher Couleur, meinetwegen ein Journalist), dessen erster Computer ein C64 war? Na? Überzeugt? [LINK] Nicht? Hmmm … kein leichtes Publikum heute.

Gut, ein Versuch noch: ein Leser schreibt einen Fanartikel über ein Spiel, welches ebenfalls ein Jubiläum feiern kann! In diesem Falle das 25jährige von – Trommelwirbel! – Maniac Mansion! Da muß doch jedem Fan das Herz aufgehen! [LINK] Wie, auch nicht? Hatten wir alles schon? Reißt auch niemanden mehr vom Hocker? Okay, okay, ich gebs auf!

Aber warum auch etwas erzwingen, wenn alles gut ist? Nutzen wir lieber die Gelegenheit der freien Druckseite und danken allen RETRO-Heft- und Website-Autoren ganz herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz. Kommt viel zu selten vor und ist eigentlich viel zu wenig, denn ihr leistet eine wirklich phantastische Arbeit! Applaudiert Anna, Chris, Christian, Christoph, Dennis, Enno, Johann, Kai, Manuel, Milo, Rudolf, Sebastian, Shahzad, Stefan, Rudolf und allen anderen, die euch und uns mit frischen Infos glücklich machen!

Und beim nächsten Mal gibt’s wieder den altbekannten Pressespiegel. Wetten?

Pressespiegel (22)

Mit ein wenig Verzögerung (sprich: zwei Ausgaben hinterher), wie so oft, aber hier geht nix verloren …

Im Herbst fallen nicht nur die Blätter, sondern es trudeln traditionsgemäß auch mehr C64-News ein. Die Sommerpause ist vorbei und das Weihnachtsgeschäft steht kurz bevor. Somit gibt es durchaus spannende und vielfältige Nachrichten rund um unseren Lieblingscomputer. Und manche haben es durchaus in sich, so von der Grundidee: wie wäre es beispielsweise mit dem C64 als Wertanlage? [LINK] Eine alte Aktienweisheit besagt: kaufe nur das, was Du auch verstehst. Und was verstehen C64-Fans besser als den C64? Also: Retrohardware horten, gut einmotten und in ein paar Jahren für teures Geld verkaufen. Dürfte wahrscheinlich einträglicher sein als griechische Staatsanleihen. Aber das ist, zugegeben, derzeit auch nicht besonders schwer.

Nicht nur alt ist angesagt, sondern auch neu. Somit darf der bereits mehrfach in der RETRO erwähnte C64x natürlich nicht im Nachrichtenrepertoire fehlen. [LINK] Wobei: so neu er auch sein mag, so wenig authentisch ist er leider auch. Da mag auch eine „Extreme“-Version mit noch mehr Power und noch mehr Features nicht helfen. Authentizität und Legendenstatus kann man eben nicht kaufen.

Eine Legende ist in diesem Falle aber nicht nur die Maschine, sondern Legenden sind auch die Menschen, die Außergewöhnliches mit dem Gerät erschaffen haben. Einer von ihnen ist zweifellos Chris Hülsbeck. [LINK] Auf dem Kölner Kongreß für Filmmusik ging es in diesem Herbst erstmals ausführlich um Videospielsoundtracks. Und dort ließ Chris durchblicken, daß man in den USA durchaus ein wenig mehr Geld mit dem Komponieren von Gamesounds verdienen kann als in Europa. Das ist sicherlich nicht uninteressant, aber es ist auch ein wenig schade, daß Heise nicht etwas mehr über diesen Ausnahmemusiker zu berichten wußte.

Daß ausgerechnet Computerbild.de in einem Artikel über Wiki-Alternativen das C64-Wiki als Beispiel für die Welt jenseits von Jimmy Wales´ Vorzeigeprojekt erwähnt, ist schon bemerkenswert. [LINK] Eine Freude ist es aber so oder so, denn gerade die Wikis, die sich durch selbstlose Fan-Mitwirkung ausprägen, sind meist auch ein ganz besonderer Gewinn für den Informationssuchenden. Und damit verdienen sie auch besondere Beachtung. Wenn dabei unsere Lieblingsmaschine eine besondere Rolle spielt: umso besser.

Zurück in die Zukunft? Das geht nicht nur mit einem C64 besonders gut, sondern auch mit dem gleichnamigen Computerspiel – und, richtig, einem DeLorean DMC-12, dem Auto aus Film und Spiel. Spiegel Online berichtete deshalb über den „Untoten unter den Autolegenden“ in Zusammenhang mit einer Wiederbelebung als Elektro-Mobil. Frei nach dem Motto: Nichts ist unmöglich. [LINK] Klingt ein wenig nach dem bereits erwähnten C64x, also dem Ausschlachten eines Mythos zugunsten eines neuen Geschäftsmodells? Nicht unplausibel. Verwerflich? Das muß jeder, so wie beim C64x, letztlich selber entscheiden. Vorschlag zur Güte: in den E-DMC-12 kommt ein SX64, gerne mit LED-Bildschirm und SD-Card-Reader. Inklusive „Zurück in die Zukunft“. Das wäre dann keine Emulation, sondern eine wahre Freude!

Pressespiegel (21/2)

Beispiel 3: Etikettenschwindel. Frage: Ein Journalist erhält ein kostenloses Rezensionsexemplar – was ist das Schlimmste, was er nun tun kann? Richtig: es nicht lesen und dann noch geschickt so tun, als ob er es gelesen hätte und es sich bei dem Artikel, den er geschrieben hat, deshalb um eine echte, faire Rezension handelt. Diesen Eindruck gewann ich bei der Lektüre eines Computer-Bild-Beitrages zum Buch „Volkscomputer“. [LINK>607] Wie ich darauf komme? Punkt 1: Das einleitende Zitat stammt aus dem Einband und ist, nun ja, beliebig. Punkt 2: Wichtige Zeitpunkte und Meilensteine stellen Allgemeinwissen für die Zielgruppe des Buchs dar oder bleiben unpräzise bzw. gewagt („Dieser Prozessor [6502, Anm.], beziehungsweise dessen spätere Inkarnationen, trieben den VC-20, den C64 oder auch das Nintendo Entertainment System (NES) an.“). Punkt 3: Die darauf folgenden Buchinfos klingen wie der Pressetext zum Buch („In seinem Buch „Volkscomputer – Aufstieg und Fall des Computer-Pioniers Commodore und die Geburt der PC-Industrie“ beleuchtet Autor Brian Bagnall die Geschichte des Computer-Pioniers Commodore“) Punkt 4: Damit es nicht ganz so stark nach einfacher Kopie der Pressemitteilung klingt, wird durch das Einflechten von Lokalkolorit für vermeintliche Individualität gesorgt – etwas oberflächlich, aber ausreichend, weil beim Überfliegen in der Kaffeepause nicht weiter auffällig („Für die deutsche Ausgabe des gelungenen Nachschlagewerks steuerten Commodore-Experte Boris Kretzinger und Videospiel-Urgestein Winnie Forster technische Details, Fotos sowie Personen-, Firmen- und Spiele-Indizes bei“). Punkt 5: Individuelle Auseinandersetzungen mit dem Werk, so wie in tonangebenden Magazinen großer Häuser beispielsweise, sucht man vergeblich, obwohl gerade dieses Buch viele Besonderheiten aufweist und es dem Leser vergleichsweise leicht macht (siehe eigene Rezension in dieser RETRO). Aber vielleicht ist ja auch die mitten in den Text geflanschte Klickstrecke mit den 17 Bildern wieder mal viel wichtiger? Auch wenn die Bilderserie mit dem Buch so gar nix zu tun hat, denn sie heißt „Die Anfänge von Nintendo, PC & Co.“ und zeigt nicht wirklich zum Buch gehörende Systeme, garniert mit sagenhaft banalen Bildunterschriften wie „Das Mega Drive war Segas erfolgreichste Spielekonsole“. Macht ja nix, denn solange sich die Userkommentare auf ein freudiges „So ein X [hier bitte das X gegen das eigene Lieblingssystem austauschen, Anm.] hatte ich auch“ beschränken, muß man ja keine bösen Worte fürchten. Außer von Hardcore-C64-Fans berüchtigter Special-Interest-Magazine, die sich in ihrer Kolumne grinsend über die Stumpfsinnigkeiten ahnungsloser Kollegen hermachen. Und wen stören die schon?
So, war das jetzt schlimm genug? Gut. Schlimmer als die Texte an sich finde ich nur, daß die Recherche für diese drei Beispiele ungefähr schlappe fünf Minuten Zeit in Anspruch nahm und jeden Monat erfolgreich wiederholt werden kann. Der C64 muß viel erdulden, wenn er von großen Redaktionen ins Visier genommen wird. Da wird gezerrt, geschüttelt und gerührt, bis zum Schluß nichts Gutes rauskommt. Verdient hat er das nicht. Beenden wir das Ganze deshalb ausnahmsweise einmal mit einer ordentlichen Portion Eigenlob: Wie schön, daß es deshalb die RETRO gibt. Und wenn es zur Ehrenrettung des erfolgreichen Computersystems der Welt ist.

Pressespiegel (21/1)

Der C64 hat es nicht leicht in den deutschsprachigen Medien – außer bei uns natürlich. Und in einigen anderen befreundeten Magazinen und Produktionen. Aber in der großen, weiten Mainstreammedienwelt muß er viel aushalten, viel mitmachen und viel verzeihen können. Es scheint für einige Kolleginnen und Kollegen sehr schwer zu sein, dem System auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Nun mache ich diesen Pressespiegel (und damit diese Medienbeobachtungen) bereits seit über fünf Jahren und denke daher einen gewissen Erfahrungsschatz angehäuft zu haben, der mir zumindest erlaubt, einige grobe Skizzen der medialen C64-Repräsentanz anfertigen zu können – und das Ergebnis ist … sehr seltsam. Und gut geeignet für ordentliches Fremdschämen. Beispiele gefällig? Kein Problem …

Beispiel 1: Nepp. T-Online bringt einen Beitrag mit der Überschrift „Die größten Heimcomputer-Legenden“. Das klingt nicht nur nach einer dünnen Sendung von RTL2, sondern liest sich auch so. Dazu gibt es zum Durchklicken eine dieser berühmt-berüchtigten Bilderserien. Sie wissen schon: viel Geklicke, wenig Neues. [LINK>605] Die Frage, die sich dem geneigten Brotkastenfan hier nach der Lektüre dieses t-ollen Artikels stellt, ist: Was soll das? Der Beitrag ist mediales Fastfood: erschreckend farblos, keinesfalls reichhaltig, mäßig erfreulich und allzu schnell vergessen. Hier scheint man – auch aufgrund der banalen Bilderstrecke – einfach mal ein paar Klicks erheischen zu wollen, mit dem Schlagwort „Retro“ als Köder. Ich bin mir nicht sicher, aber das könnte etwas kurz gedacht sein, denn den nächsten T-Online-C64-Artikel klickt man dann – wenn man nicht gerade einen Pressespiegel schreibt – wohl nicht mehr an, aus Angst um die kostbare Lebenszeit und die verschwendete Energie. Oder doch? Vielleicht, weil die Hoffnung eines Retrofans zuletzt stirbt? Oder weil es in den großen Redaktionen meist eh nur solch Einheitsbrei gibt und man schon gar nichts Besseres mehr erhoffen mag?

Beispiel 2: Plattheiten. Mario-Barth-verdächtigen Klischeealarm löste ein SpOn-Artikel aus, in dem zwei Frauen Anfang Dreißig beschreiben, wie es den Jungs (!) damals in den 90ern mit dem C64 und – festhalten, Oberklischeealarm! – Summer bzw. Winter Games erging. Das kann nur schiefgehen. [LINK>606] Kostprobe gefällig? Aber gerne: Was machten die Jungs so? Sie „zwängten“ sich „den schwarzen Joystick (…) wie ein Penisimitat zwischen die Oberschenkel“ und bekamen „Druckstellen an den Händen von übermäßigem Joystick-Gebrauch“. Wie ernährten sie sich und wie sahen sie aus? Natürlich zweimal klischeehaft mies: „Die einzigen warmen Mahlzeiten bestanden aus Pizza-Baguette Funghi, die die besorgte Mutter von Zeit zu Zeit hereintrug und anmerkte, dass man etwas blass um die Nase sei und frische Luft nicht schaden könne.“ Was war die Folge dieser „Stumpfheit“? „Eine nicht zu vernachlässigende Zahl an jugendlichen Sehnenscheidenentzündungen“. Wow. Soviel Unsinn auf einmal habe ich schon lange nicht mehr in einem Artikel entdeckt, in dem der C64 eine tragende Rolle spielen soll. Was die Mädels in der Zeit gemacht haben, in der ihre gleichaltrigen Kumpels glücklich gezockt haben, verraten sie leider nicht, aber es scheint wohl auch nicht der Rede wert zu sein. Traurig, so eine langweilige Jugend …

Pressespiegel (20/2)

Die Berliner Zeitung (bz) „verrät“ in ihrem eher mäßigen Beitrag, was der „neue alte Computer“ alles kann – und macht damit einen entscheidenden Fehler schon direkt am Anfang. [LINK>600] Naja, einen Versuch war es wert.

Die Verballhornung des C64-Spitznamens kennt keine Grenzen: so spricht macwelt.de von der „Brotdose“. Kreativ zwar – aber falsch. [LINK>601] Die Nachricht entstand, so der Hinweis, unter aktiver Mitwirkung von Golem.de [LINK>602], wobei man mit dem Original doch besser bedient wird als dem Ergebnis bei macwelt.de. Insgesamt jedoch so oder so kein Reißer.

Als einer der wenigen Nachrichtenservices weist ZDnet darauf hin, daß es sich beim „C64x“ schon um die zweite Ankündigung von „Commodore USA“ handelt und erinnert an den im letzten Jahr präsentierten PC64. Wie schnell manche Dinge doch vergessen werden … [LINK>603] Nicht unterschätzt werden sollte deshalb die Frage, ob es einen „C64x“ überhaupt beizeiten zu sehen geben wird. Nach Informationen von ZDnet sind wohl alle rechtlichen Fragen geklärt, die einen Verkauf erschwert hätten. Deshalb kann der „C64x“ nun auf den Markt. Wir sind weiterhin gespannt.

Richtig ins Zeug gelegt hat sich schließlich (wieder mal) SPIEGEL ONLINE. [LINK>604] Der Artikel geht tiefer als die meisten anderen und bietet auch ganz zum Schluß eine günstige (und die wahrscheinlich beste) Alternative zur C64x-Idee: den C64. Man kann die Ablehnung von Leichenfledderei also auch professionell verpacken – wenn man in der Meldung über einen C64-Nachfolger mehr sieht als nur eine x-beliebige Meldung aus dem Ressort Computer.

Pressespiegel (20/1)

Besser spät als nie: hier der Pressespiegel (Teil 1) aus Ausgabe 20:

Es gab in den letzten Wochen ein Thema, das alles überlagerte und einem fast überall begegnete: das „Comeback“ des C64 – oder genauer: die Präsentation des „C64x“. Dabei erstaunt mich, wie hartnäckig diese Comebackidee von den Kolleginnen und Kollegen transportiert wurde, wo doch jeder halbwegs informierte Computerfan wissen dürfte, daß ein neues System – wie auch immer es im Detail aussehen mag – letztlich keine Gemeinsamkeiten mit dem Klassiker haben wird – vom Namen, dem portabelsten Teil eines Produkts, einmal abgesehen. Trotzdem scheint die von „Commodore USA“ präsentierte Idee die Menschen in ihren Bann zu ziehen, was zumindest die Wirkmächtigkeit unseres Brotkastens beschreibt. Gut, das ist nun nicht besonders neu, aber jedes Mal aufs Neue faszinierend, vor allem, wenn es so deutlich gemacht wird wie im Falle dieser Berichterstattungen. Aus diesem Grunde gibt es hier und jetzt einen reinen „C64-Comeback“-Pressespiegel, der ein klein wenig aufzeigt, wie mannigfaltig die Berichterstattung über das Brotkastenrevival aussieht und was die Menschen ganz besonders bewegt, wenn sie das Kürzel „C64“ lesen.

Daß nicht alles rosig ist bei der Wiederauferstehung, stellt die „Kleine Zeitung“ fest [LINK>595]. Auch die wenigen Kommentare sprechen eine recht eindeutige Sprache, wobei die Begeisterung über das Original fast noch größer ist als das Unbehagen über die Neuauflage.

Etwas distanzierter und nicht besonders detailgenau widmet sich WELT ONLINE der Comebackstory. [LINK>596] Einige Buzzwords aus der Brotkastenwelt tauchen zwar im Artikel auf, doch so wirklich springt der Funken nicht über. Vielleicht war der C64 nicht gerade die „erste Liebe“ des Autors.

Kurz und knapp berichtet „Der Standard“ über den „C64x“ und beschreibt nur die wesentlichen technischen Fakten [LINK>597] Nostalgie oder Beschwerden über das Ausweiden eines historischen Systems und Namens findet man bei den Österreichern nicht – doch auch das ist schließlich eine Aussage.

Noch knapper als beim „Standard“ wird bei der BILD über das Revival des C64 berichtet. Ganze sechs Sätze sind den Berlinern die technischen Details wert. [LINK>598] Darin wird so wenig gesagt, daß man sich den Klick auf die BILD-Meldung eigentlich auch sparen kann.

Heise geht nicht nur auf die technischen Spezifikationen, sondern auch auf die wechselvolle Geschichte der Firma Commodore ein und schafft es so, eine vergleichsweise gehaltvolle Meldung zu präsentieren. [LINK>599] Die Hintergründe sind zwar knapp gehalten, aber immerhin wird zu früheren Heise-Meldungen über das Auf und Ab des ehemaligen Megastars Commodore verlinkt. Das dürfte sicherlich interessanter sein als die Auflistung der technischen Merkmale, die aus dem „C64x“ schließlich keine besonders ungewöhnliche Maschine machen. Das ergibt sich lediglich aus der Historie und seinem „Vorgänger“.