{"id":2861,"date":"2009-07-18T13:00:39","date_gmt":"2009-07-18T12:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/?p=2861"},"modified":"2009-07-20T21:37:14","modified_gmt":"2009-07-20T20:37:14","slug":"die-keksdose-wird-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/blog\/2009\/07\/18\/die-keksdose-wird-20\/","title":{"rendered":"Die Keksdose wird 20"},"content":{"rendered":"<p>Bis zum Jahr 1989 bedeutete mobiles Spielen, ein Ger\u00e4t mit Piepssound (das die Eltern des\u00f6fteren in den Wahnsinn trieb) und einem vorinstallierten Spiel in den H\u00e4nden zu halten. Die Technik dieser LCD-Games war limitiert, genauso wie die Spiele selbst. Dennoch erfreuten sich die kleinen Zeitvernichter in den Achtzigern gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit. Dabei machte es auch nichts aus, dass man die Spiele nicht austauschen konnte. Zwar hatte der Spieleriese MB schon 1981 die Idee, einen Handheld mit austauschbaren Spielen auf den Markt zu bringen, aber dem \u201eMicrovision\u201c genannten System wurde leider keine gro\u00dfe Beachtung zuteil.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2868\" title=\"gameboy\" src=\"http:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/gameboy-443x443.jpg\" alt=\"gameboy\" width=\"443\" height=\"443\" srcset=\"https:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/gameboy-443x443.jpg 443w, https:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/gameboy-140x140.jpg 140w, https:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/gameboy.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 443px) 100vw, 443px\" \/><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Ein zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich unbekannter japanischer Konzern namens Nintendo hatte da mehr Erfolg. Die hauseigene \u201eGame &amp; Watch\u201c-Reihe entwickelte sich zum Renner auf den Schulh\u00f6fen der damaligen Zeit. Trotz simpler Technik und lediglich einem Spiel pro Ger\u00e4t fesselten die meisten Titel wie z.B. Donkey Kong ungemein. Die \u201eGame &amp; Watch\u201c-Reihe geht auf das Konto von Gunpei Yokoi, der einer der bedeutendsten Mitarbeiter Nintendos wurde. Seine wohl wichtigste Erfindung ist das digitale Steuerkreuz, dass das Spielen nachhaltig revolutionierte. Yokoi war aber nicht nur ein bedeutender Ingenieur, sondern auch ein erfolgreicher Spielesch\u00f6pfer. So gehen auch die Metroid-Serie und Kid Ikarus auf Yokois Schaffen zur\u00fcck. 1989 gelang Gunpei Yokoi sein gr\u00f6\u00dfter Erfolg: Er entwickelte ein vollwertiges Videospielsystem, das austauschbare Spiele auf Modulbasis bot und fl\u00fcssiges Scrolling erm\u00f6glichte &#8211; die Rede ist nat\u00fcrlich vom Game Boy.<\/p>\n<p>Die Grafik wurde in vier Graustufen auf einem giftgr\u00fcnen Display dargestellt, welches einem mangels Hintergrundbeleuchtung die Augen schmerzen lies. Doch der Verzicht auf ein beleuchtetes Farbdisplay hatte auch einen durchaus positiven Effekt: der Energieverbrauch des Game Boys wahr extrem gering, weshalb man bis zu 15 Stunden spielen konnte, ehe die Batterien schlapp machten. Doch im selben Jahr drohte Gefahr aus Amerika. Branchenveteran Atari pr\u00e4sentierte seinen 16-Bit-Handheld Lynx der erstaunten Fachwelt. Die grafischen F\u00e4higkeiten des Lynx waren beeindruckend! So verf\u00fcgte Ataris Wunderger\u00e4t \u00fcber ein Farbdisplay, das 16 Farben gleichzeitig &#8211; aus einer Palette von \u00fcber 4000 Farben &#8211; darstellen konnte. Allerdings verbrauchte der Lynx so viel Energie, da\u00df ihm schon nach etwa zwei Stunden der Saft ausging. Auch der Drittherstellersupport war ziemlich kl\u00e4glich, weshalb vom Lynx nur etwa zwei Millionen Ger\u00e4te verkauft wurden. Auch Segas Game Gear erging es nicht wesentlich besser. Nintendo hatte n\u00e4mlich ein Ass im \u00c4rmel: die Japaner kamen auf die brilliante Idee, den Knobelhit Tetris dem Game Boy gleich beizulegen. Dieses Spiel pr\u00e4gte wohl wie kein anderes die Zocker der fr\u00fchen Neunziger und lockte selbst Menschen an den Handheld, die sonst nichts mit Videospielen am Hut hatten.<\/p>\n<p>1990 erschien der Game Boy auch in Europa, wo er ebenfalls einschlug wie eine Bombe. Nintendos Strategie, eine g\u00fcnstige Hardware mit hochwertigen Spielen zu ver\u00f6ffentlichen, ging voll auf! Dabei griff Nintendo auf Spiele zur\u00fcck, die bereits auf dem NES sehr erfolgreich waren: Mario, Zelda und Metroid bekamen sehr gute und erfolgreiche Game-Boy-Ableger. Auch f\u00fcr die Dritthersteller war der Game Boy ein rentables Gesch\u00e4ft, weshalb quasi alle wichtigen Entwickler auch den Nintendo-Handheld unterst\u00fctzten. Konami erfreute die Spieler mit Castlevania, Probotector und Gradius (Nemesis), Capcom lie\u00df seinen blauen Androiden Mega Man auf dem Game Boy gegen Dr. Wily ins Feld ziehen. Und Shooter-Spezialist Irem portierte sogar seinen Klassiker R-Type auf die kleine Konsole. Mit der Zeit beherrschte man die Technik des Handhelds immer besser. So sieht der zweite Teil der Super-Mario-Land-Serie grafisch schon wesentlich besser aus als der Erstling; er n\u00e4hert sich durchaus der Grafik von Super Mario Bros 3 an. Das Ende der Fahnenstange war dann sicherlich erreicht als Rare mit Donkey Kong Land das erste gerenderte Game-Boy-Spiel auf den Markt brachte. (Die ganze Grafikpracht wurde allerdings durch mangelnde \u00dcbersichtlichkeit erkauft.)<\/p>\n<p>1994 ver\u00f6ffentlichte Nintendo den Super Game Boy, einem Hardwareaufsatz f\u00fcr das SNES, der es erm\u00f6glichte Game-Boy-Spiele auf der Heimkonsole zu spielen. Dabei konnte der Spieler die vier Graustufen der Spiele nach Gutd\u00fcnken einf\u00e4rben. Mit der Ver\u00f6ffentlichung des Super Game Boys wurde gleichzeitig auch eine neue \u00c4ra von Game-Boy-Spielen eingeleitet. Von nun an wurden alle Titel speziell f\u00fcr den Hardwareaufsatz in Farbe entwickelt. Das erste Spiel, das vom Super Game Boy profitierte war Donkey Kong. 1995 brachte Nintendo seinen tragbaren Dauerbrenner dann in verschiedenen Geh\u00e4usefarben und in einer transparenten Version auf den Markt. Im selben Jahr standen US- und Europarelease von Sonys Playstation und Segas Saturn an. Beide Systeme boten technische M\u00f6glichkeiten, die man zuvor nicht kannte. Der Handheldmarkt verschwand erstmal aus dem Blickfeld des \u00f6ffentlichen Interesses.<\/p>\n<p>Japan hingegen wurde etwa zur selben Zeit von einem Hype erfasst, der einige Jahre sp\u00e4ter auch die westliche Welt nicht kaltlie\u00df: die Rede ist von Pokemon, einem RPG, in dem man putzige Kreaturen sammelt und sie gegen andere Pokemons antreten l\u00e4sst. Die Pokemon-Spiele verl\u00e4ngerten nicht nur die Lebensspanne des Game Boys erheblich, sondern sp\u00fclten auch Millionensummen in Form von Merchandise-Artikeln und einer erfolgreichen Zeichentrickserie in die Kassen von Nintendo. In den schwierigen Jahren, die f\u00fcr Nintendo folgen sollten, wurden die Pokemons sogar zur Haupteinnahmequelle. 1996 wurde das erste Hardware-Update des Game Boys herausgebracht. Der Game Boy Pocket verf\u00fcgte \u00fcber ein besseres Display und eine geringere Gr\u00f6\u00dfe als sein Vorg\u00e4nger. An der Technik selbst \u00e4nderte sich allerdings nichts. Der Vater des Game Boy Gunpei Yokoi verliess etwa zur selben Zeit den Konzern als Folge des miserablen Virtual-Boy-Gesch\u00e4fts. 1997 kam er unter tragischen Umst\u00e4nden bei einem Verkehrsunfall ums Leben.<\/p>\n<p>Im Jahr 1998 erschien mit dem Game Boy Color (etliche Jahre nach Lynx und Game Gear) ein Game Boy mit Farbdisplay auf den Markt. An der altert\u00fcmlichen 8-Bit-Technik \u00e4nderte sich aber nichts Grundlegendes. Eine echte &#8222;Wachabl\u00f6sung&#8220; erfolgte erst im Jahr 2001, als Nintendo den Game Boy Advance ver\u00f6ffentlichte. Der Game Boy Advance wurde auch gerne als tragbares SNES bezeichnet, da sehr viele Spiele Portierungen alter SNES-Hits waren. Mit dem legend\u00e4ren Vorg\u00e4nger verbindet den GB Advance seine Abw\u00e4rtskompatibilit\u00e4t und nat\u00fcrlich der Name, der schon l\u00e4ngst f\u00fcr mobiles Spielen im Allgemeinen steht.<\/p>\n<p>An diesen Punkt endet die Geschichte des klassischen Game Boys, der eine ganze Generation in Kontakt mit Videospielen brachte. Nat\u00fcrlich ist auch die Geschichte des Game Boy Advance und seiner verschiedenen Versionen wert, erz\u00e4hlt zu werden, doch das machen wir beim n\u00e4chsten Mal.<\/p>\n<p><em>(Gastautorin: Melanie Dirmeier)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis zum Jahr 1989 bedeutete mobiles Spielen, ein Ger\u00e4t mit Piepssound (das die Eltern des\u00f6fteren in den Wahnsinn trieb) und einem vorinstallierten Spiel in den H\u00e4nden zu halten. Die Technik dieser LCD-Games war limitiert, genauso wie die Spiele selbst. Dennoch erfreuten sich die kleinen Zeitvernichter in den Achtzigern gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit. 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