{"id":4091,"date":"2010-02-17T13:45:58","date_gmt":"2010-02-17T12:45:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/?p=4091"},"modified":"2010-02-18T10:31:34","modified_gmt":"2010-02-18T09:31:34","slug":"analoges-retro-kleine-ode-an-die-vhs-kassette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/blog\/2010\/02\/17\/analoges-retro-kleine-ode-an-die-vhs-kassette\/","title":{"rendered":"Analoges Retro &#8211; kleine Ode an die VHS-Kassette"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem folgenden Text biege ich die thematischen Regeln der Seite wieder ein bi\u00dfchen, denn es geht darin eher um analoges Retro. Auf der anderen Seite definiert sich das digitale Retro irgendwie auch in seiner Abgrenzung zum analogen Retro. Au\u00dferdem kann man den Text auch als Betrachtung zum Schicksal von &#8222;Dingen&#8220; sehen, die es (bisher?) nicht geschafft haben, auf den popul\u00e4ren Retro-Lifestyle-Zug aufzuspringen.\u00a0Der folgende Beitrag ist ca. drei Jahre alt und die darin erw\u00e4hnte Videothek hat mittlerweile geschlossen, auch die Stadtb\u00fccherei hat ihren analogen Bestand sehr stark verringert. Dies aber nur am Rande, denn die eigentliche Aussage des Textes bleibt davon unber\u00fchrt.<\/p>\n<p>Eine Sache, deren Grund mir nicht ersichtlich ist: warum wurden die VHS-Kassette und der Videorekorder derart umfangreich v\u00f6llig vom Markt und auch aus dem Interesse der \u00d6ffentlichkeit verdr\u00e4ngt? Es war ein System, dass ja deutlich \u00fcber 20 Jahre lang auf dem Massenmarkt vertreten und in all der Zeit v\u00f6llig ausreichend war, bis es nach einer digitalen (Werbe-?) Revolution pl\u00f6tzlich zum obsoleten &#8222;Schrott&#8220; oder gar zum \u201eSonderm\u00fcll\u201c (Zitat Filmzeitschrift Cinema) erkl\u00e4rt wurde.<\/p>\n<p><!--more-->Schaut man zum Beispiel in Filmzeitschriften, dann liest man dort, dass man den echten Cineasten doch nur an seiner hochwertigen DVD-Sammlung erkennt. Was aber ist mit Cineasten mit einer hochwertigen VHS-Sammlung, welche ihre Sch\u00e4tze nicht digitalisieren und dann die alten &#8222;Medien&#8220; der Filme auf den analogen M\u00fcll werfen wollen? Ich wei\u00df gar nicht, ob es noch welche gibt &#8211; in der \u00d6ffentlichkeit zumindest nicht mehr. So habe ich z.B. im Web keine einzige Webseite gefunden, die sich positiv mit der VHS auch als erhaltenswertes Zeitdokument besch\u00e4ftigt (gibt es welche?).<\/p>\n<p>Die Zeit des Plattenspielers ist eigentlich schon &#8222;l\u00e4nger&#8220; abgelaufen, als die des VHS-Rekorders &#8211; und trotzdem findet man in Gesch\u00e4ften noch deutlich mehr Plattenspieler zum Verkauf, als Videorekorder. Scheinbar war die digitale Revolution im Bezug auf die Entfernung der VHS aus der \u00f6ffentlichen Meinung weit effizienter und erfolgreicher. Sich Platten anzuh\u00f6ren gilt weiterhin als stilvoll im Lifestyle-Bereich, sich VHS anzusehen gilt jedoch mittlerweile als v\u00f6llig veraltet und sinnbefreit. Wieso?<\/p>\n<p>Was mich auf das Thema gebracht hat, war eine Beobachtung in der Stadtb\u00fccherei vor einigen Tagen. Dort gibt es eine recht gro\u00dfe Auswahl an VHS, die \u00fcber Jahre angesammelt worden sind. Da die finanziellen Mittel begrenzt sind, wird der VHS-Bestand auch weiterhin deutlich gr\u00f6\u00dfer sein, als der \u00a0Bestand an aktuellen DVDs. So haben wir insgesamt 4 Regale mit deutschen VHS und eine lange Regalwand mit englischen OV-VHS. Nat\u00fcrlich jede Menge Filme mit Stil jenseits des Mainstreams. Das DVD-Regal nimmt sich dazu im Vergleich bisher noch recht schmal aus.<\/p>\n<p>Aber was kann man beobachten: die Leute dr\u00e4ngen sich zum DVD-Regal, der erste Schritt fast jedes ankommenden Ausleihers f\u00fchrt dorthin. Kinder laufen unter &#8222;Krass, DVD&#8220;-Rufen ohnehin nur dorthin. In den VHS-Regalen bleiben fast alle Filme stehen und setzen Staub an, kaum jemand leiht dort mehr aus (zumindest nach meinen Beobachtungen, auch was die gro\u00dfe Zahl der nun st\u00e4ndig vorhandenen Filmen betrifft). Wenn man dann einen Blick auf die &#8222;Scheibchen&#8220; wirft, sind diese inhaltlich meist uninteressanter als viele der unbeachteten Kassetten im VHS-Bereich &#8211; nat\u00fcrlich nur meiner bescheidenen Meinung nach.<\/p>\n<p>Die zweite Beobachtung betrifft mal wieder unsere lokale Videothek. Seit einigen Wochen werden jetzt alle VHS zum St\u00fcckpreis von je EUR 1,- verkauft, um Platz f\u00fcr all die DVD-Blockbuster zu schaffen. Ich habe mich umfangreich dort bedient, u.A. &#8222;Apocalypse Now&#8220; in der 1983er-VHS-Fassung (funktioniert noch immer problemlos, stabile, schwere Kassette in VHS\/Betamax\/V2000-Standardh\u00fclle :-)) Da fragt man sich aber schon wieder, warum man dort Filme wie &#8222;Apocalypse Now&#8220; und andere Perlen preislich gesehen jetzt in die gleiche W\u00fchlkiste wirft, wie &#8222;Bikini Party Summer VII&#8220; und Co.<\/p>\n<p>Es muss wohl am Medium liegen, dass niemand mehr will. Die Natur und Qualit\u00e4t der Filme darauf ist Nebensache. In einer Zeit, in der alles nur in einen digitalen Riesenpool geworfen wird und als Schnipsel seiner Identit\u00e4t als filmisches Dokument beraubt wird, wohl normale Prozedur. Nebenbei trifft das Schicksal ja auch schon DVDs &#8211; so findet man Filme wie 2001 oder Citizen Kane ebenfalls in manchen Supermarkt-W\u00fchlkisten neben Aerobic-Scheibchen. Und bin ich denn der einzige, den dieser Umgang mit Kultur \u00a0(sei sie nun analog oder digital &#8222;verpackt&#8220;) \u00e4u\u00dferst st\u00f6rt?<\/p>\n<p>Mir pers\u00f6nlich gef\u00e4llt hier auch diese \u201eselbstverst\u00e4ndliche Gleichmacherei\u201c nicht wirklich. Da gibt es nun Kassetten von 1982 bis 2004, von einer halben Stunde Laufl\u00e4nge bis 3 Stunden, von lustigen Kindercartoons und unbekannten B-Filmchen bis hin zu preisgekr\u00f6nten Werken, die in so mancher Favoritenliste auf den ersten Pl\u00e4tzen stehen. Und trotzdem wird alles f\u00fcr je einen Euro aus dem Lager &#8222;geschaufelt&#8220; und verramscht. Da sollte man zwar einerseits froh sein, Klasse f\u00fcr wenig Geld zu bekommen, andererseits zeigt es aber wenig Respekt gegen\u00fcber der Individualit\u00e4t eines Filmes.<\/p>\n<p>Die eigentliche Pointe kommt ja noch: die Videothek versucht dieses Angebot mit dem Ein-Euro-Preis nun seit Wochen &#8211; nur vermutlich scheint au\u00dfer mir niemand mehr die Kassetten haben zu wollen, wie sich an dem fast gleichbleibenden Bestand zeigt. So werden viele Filme davon wohl im Endeffekt auf der M\u00fcllkippe landen.<\/p>\n<p>Und wie oben gesagt: ich verstehe den Grund daf\u00fcr nicht. Warum will diese Filme niemand mehr? Weil sie nicht digital durchgefiltert und in Bild und Ton \u00fcberarbeitet sind? Erinnert mich an einen herablassenden Satz, den ich neulich mal in einem Schnickschnackforum gelesen hatte: &#8222;Wer sich heutzutage noch Filme mit Stereoton anschaut, dem ist echt nicht mehr zu helfen&#8230;&#8220; &#8211; oder so \u00e4hnlich. Was soll man dazu bzw. dagegen noch sagen?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich l\u00e4sst die optische Qualit\u00e4t der VHS-Filme mit den Jahren nach, auch wenn viele meiner B\u00e4nder aus den 80ern noch problemlos laufen. Vielleicht geh\u00f6rt dieses Nachlassen aber auch mit zu einem Alterungsprozess, der den Filmen eine eigene Note gibt. Digitales Material bleibt immer gleich und f\u00fcr viele Leute auch immer gleich beliebig und verf\u00fcgbar. Material auf Band ver\u00e4ndert seine Art und das sicher nicht immer zum Positiven. Vielleicht tragen aber manche der Schw\u00e4chen eines \u00e4lteren Bandes auch mit zum Stil eines Filmes bei bzw. unterstreichen dessen Note als Dokument einer fr\u00fcheren Zeit.<\/p>\n<p>Digital bereinigte Hochglanzbilder mit Superduperton und Features aller Art tun das IMO nicht. So gesehen kann eine Kassette, die vielleicht nach \u00fcber 20 Jahren noch immer ihre urspr\u00fcngliche Aufgabe erf\u00fcllen kann, in mehrerlei Hinsicht ein interessantes St\u00fcck Medium sein: als ein Beispiel f\u00fcr eine gewisse Verg\u00e4nglichkeit des Mediums, dar\u00fcber hinaus auch als ein Beispiel f\u00fcr eine durchaus eigenst\u00e4ndige Wirkung als Zeitdokument, als ein konkret greifbares Objekt &#8222;Film&#8220; mit soundsoviel Zentimeter Kantenl\u00e4nge und als Beispiel f\u00fcr Zur\u00fcckhaltung und Reduzierung auf das Wesentliche.<\/p>\n<p>Und das ist in einer Zeit von Gigabyte-Datenmassen und Webseiten mit Abertausenden beliebig abrufbarer Filme und Videoschnipsel vielleicht mit der wichtigste Faktor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem folgenden Text biege ich die thematischen Regeln der Seite wieder ein bi\u00dfchen, denn es geht darin eher um analoges Retro. 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