{"id":4371,"date":"2010-03-26T10:16:52","date_gmt":"2010-03-26T09:16:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/?p=4371"},"modified":"2010-03-26T10:16:52","modified_gmt":"2010-03-26T09:16:52","slug":"the-21st-century-delusion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/blog\/2010\/03\/26\/the-21st-century-delusion\/","title":{"rendered":"The 21st Century Delusion?"},"content":{"rendered":"<p>Ein \u00e4lterer Beitrag, den ich bereits im Forum pr\u00e4sentiert hatte, der aber vielleicht auch hier generell noch Interesse finden k\u00f6nnte. Das Buchprojekt ist vermutlich illusorisch (wer sollte es kaufen?), aber als Gedankensammlung bzw. Anregung kann es doch hilfreich sein. Das ist nun teilweise sicher etwas \u00fcberzogen und einseitig, aber ich stelle es einfach mal zur Diskussion.<\/p>\n<p>Nun \u00fcberlege ich ja schon seit einer Weile an einem gr\u00f6\u00dferen Projekt zu einem zeitgeistkritischen Buch herum. Bisher l\u00e4uft das Ganze unter dem wenig einfallsreichen Arbeitstitel &#8222;The 21st Century Delusion&#8220;. Hier einige eher unsortierte Gedanken zu der Form eines solchen Buches.<\/p>\n<p><!--more-->Als einleitenden Satz w\u00fcrde ich vielleicht gerne ein Star-Wars-Zitat verwenden, da\u00df die Eigenschaften des modernen Zeitgeistes und seine Gefahren IMO irgendwie treffend beschreibt &#8211; n\u00e4mlich Yodas &#8222;Hast einmal du beschritten diesen Weg, f\u00fcr immer wird davon bestimmt dein Leben&#8230;&#8220; Das Ganze dann als \u00dcberleitung zu einem einleitenden Kapitel, in dem beschrieben wird, warum man das 21. Jahrhundert nicht &#8222;zur T\u00fcr reinlassen&#8220; mu\u00df, wenn man nicht will. Warum indoktrinierter Zeitgeist der Moderne nicht gleich Fortschritt ist, da\u00df ein alternativer Lebensstil zur digitalen Revolution und der vermeintlichen Perfektion m\u00f6glich ist etc etc.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Kapitel sollte eine generelle Zielsetzung jenes Lebensstils beschreiben. Ein wichtiger Punkt w\u00e4re hier das Festhalten und Definieren von drei Grunds\u00e4tzen:<\/p>\n<p>&#8211; das Recht jedes Einzelnen auf wahre Individualit\u00e4t<br \/>\n&#8211; das Recht auf unbeschr\u00e4nkte Imperfektion<br \/>\n&#8211; das Recht auf Mittelma\u00df der \u00e4u\u00dferen Form<\/p>\n<p>Wobei das Recht auf Mittelma\u00df so zu definieren w\u00e4re, da\u00df damit nicht die Substanz, sondern eben die \u00e4u\u00dfere Form gemeint ist. Beispiel: Staffel 2 der Simpsons ist animationstechnisch &#8222;schlecht&#8220;, \u00fcbertrifft aber inhaltlich alle anderen Cartoons. Das Blicken hinter die technische Fassade und das Sehen der Substanz ist zu definieren. Als (eine) Begr\u00fcndung f\u00fcr analoge Medien, f\u00fcr alte Computer, f\u00fcr technischen &#8222;Sperrm\u00fcllschrott&#8220; ist das pers\u00f6nliche Recht auf Imperfektion und \u00e4u\u00dferes Mittelma\u00df zu nennen.<\/p>\n<p>Im Folgenden ein Kapitel \u00fcber &#8222;Den Tropfen im digitalen Ozean&#8220; &#8211; also Thema Beliebigkeit. Verschwinden von medialen Sch\u00e4tzen und greifbarer (analoger) Materie im gleichf\u00f6rmigen Ozean der allgemeinen Verf\u00fcgbarkeit. Warum allgemeine Verf\u00fcgbarkeit die Freude am Suchen und Finden nimmt. Warum auch eine VHS-Kassette ein gr\u00f6\u00dferer Schatz sein kann, als Hunderte von medialen Gigabyte. Warum man gerade durch analoge Medien\/alte Rechner etc. n\u00f6tigen Respekt vor der Information als individuellem Gut (neu) erlernen kann. &#8222;Think Kilobyte&#8220; als alte-neue\/neue-alte Denkrichtung.<\/p>\n<p>Ein philosophischer Sprung hin zur Entstofflichung und Entmenschlichung durch den formlosen Datenozean.<\/p>\n<p>Nach diesen eher theoretischen Kapiteln dann mehr Praxis:<\/p>\n<p>&#8222;Von Brechreiz-Pixeln, analogen Mottenkisten, Augenkrebs und Stereo-Opas&#8220; &#8211; ein Kapitel \u00fcber negative Schlagw\u00f6rter und Indoktrination durch die Medien, Werbung, Konsum etc. Wie man die Argumente durchschaut, wie sie sich oft disqualifizieren. Letztlich ein Leitfaden, um Konsum und Werbetechnik des 21. Jahrhunderts kritisch zu betrachten. &#8222;Sowas mu\u00df ich mir heute technisch nicht mehr bieten lassen. Wir haben schlie\u00dflich [aktuelles Jahr einf\u00fcgen]&#8220; &#8211; die Urspr\u00fcnge dieser Mentalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrend als n\u00e4chstes Kapitel &#8222;Der anachronistische PC-Report&#8220; &#8211; eine praktische Betrachtung der gro\u00dfen, bunten, weiten und lehrreichen Welt der Rechner und PCs unterhalb der Pentiumschwelle. Workshop: wir besorgen uns einen 386er\/486er und machen was daraus. Betrachtung des Slogans &#8222;Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit&#8220; im Computerbereich. PC-Computing 1994 im kritischen Vergleich zur Moderne. Vertiefung des Themas &#8222;Think Kilobyte&#8220; mit weiteren praktischen Beispielen.<\/p>\n<p>Als eigenes Kapitel oder Unterkapitel zu obigem eine Betrachtung des modernen Webs. Verlust von Individualit\u00e4t im Web zugunsten homogener Einfachkeiten. Niedergang des Usenet. Webzwonull = Heilsbringer = Webdemokratie? Wie kann es Webdemokratie sein, wenn der Zugang abh\u00e4ngig ist von aktuellster Software, vom Aufr\u00fcsten und von neuer Technik? Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Web 1.0.<\/p>\n<p>Das Film- und Audiomedienkapitel. Warum man den wahren Filmkenner (nicht) an seiner DVD-Sammlung erkennen mu\u00df. Ein paar Kritiken aktuellen Filmschaffens. Klassische\/unbekannte Sch\u00e4tze. VHS-Kollektionen, die die Werbung gerne verschweigt. Philosophische Betrachtung: was macht ein mediales Werk zur Kunst? Warum und wie ber\u00fchrt es uns? Was hat das letztendlich mit der Technik der \u00e4u\u00dferen Form zu tun? Spezial: Buster Keaton und Jacques Tati &#8211; die gro\u00dfen Zeitgeistkritiker ihrer Dekaden und was sie uns noch heute sagen k\u00f6nnen. Spotlight auf &#8222;The Navigator&#8220;, &#8222;Mon Oncle&#8220; und &#8222;Playtime&#8220;.<\/p>\n<p>In vielen Bereichen sollte obiges ein Kapitel sein, da\u00df von einer praktischen Warte aus wieder auf das obige Thema vom Tropfen im digitalen Ozean (und der Rettung dieses Tropfens) zur\u00fcckgreifen sollte.<\/p>\n<p>Als eigenes Kapitel oder Unterkapitel: &#8222;Radio Days&#8220;. Pers\u00f6nliche Ode an das R\u00f6hrenradio Philips Saturn 563 (mit \u00dcberleitung zu einer philosophisch-historischen Betrachtung des Mediums.) &#8222;The Sound of Silence&#8220; &#8211; vom Tag, wenn alle Sender digital geworden sind und die Radios von Generationen in die Leere lauschen.<\/p>\n<p>Der Retro-Konsum. Ein kleines Kapitel dar\u00fcber, wie mit vermeintlicher Nostalgie Konsum gemacht wird und wo der Unterschied zur ernsthaften Betrachtung des Themas liegt. Nicht wehm\u00fctiger und vermarktbarer &#8222;R\u00fcckblick&#8220;, sondern Erkenntnis einer Philosophie als Devise.<\/p>\n<p>Zum Ende hin eine Betrachtung der Frage: warum diese Ablehnung des aktuellen Jahrzehnts bzw. Jahrtausends? Gab es nicht immer Leute, die \u00fcber Fortschritt und Ver\u00e4nderung gen\u00f6rgelt haben? Waren es nicht stets die ewig Gestrigen, die die Welt aufgehalten haben? Warum sollte man Kritik an der aktuellen Zeit \u00fcberhaupt ernst nehmen? Was ist mit dem Fortschritt in Wissenschaft, in Medizin, in der Technik etc., der Menschen hilft? Betrachtung der Fragen und Diskurs.<\/p>\n<p>Aufstellung einer Theorie zum realen Fortschritt (der oft auf subtiler Ebene stattfindet) im Vergleich zu einer bunten &#8222;Realit\u00e4t&#8220; und dem Zeitgeist dieses 21. Jahrhunderts bisher. K\u00f6nnen &#8222;nostalgische&#8220; Ideen sogar eine bessere Grundlage sein, subtile Nuancen des realen Fortschritts zu erkennen und zu sch\u00e4tzen? R\u00fcckgriff zum PC-Kapitel als Beispiel: warum jeder Prozessor Respekt verdient.<\/p>\n<p>Ein Abschlu\u00dfkapitel: wohin von hier aus? Ein leicht dystopischer Ausblick auf eine Zukunft, in der die drei obigen Grunds\u00e4tze einer digitalen Perfektion und Beliebigkeit untergeordnet worden sind. Als Gegenentwurf eine alternative Zukunft mit Fortschritt, aber auch mit Respekt f\u00fcr die Urspr\u00fcnge, mit Respekt f\u00fcr Daten, Medien, Imperfektion. Wohin nun? Schlu\u00dfphilosophie. Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein \u00e4lterer Beitrag, den ich bereits im Forum pr\u00e4sentiert hatte, der aber vielleicht auch hier generell noch Interesse finden k\u00f6nnte. Das Buchprojekt ist vermutlich illusorisch (wer sollte es kaufen?), aber als Gedankensammlung bzw. Anregung kann es doch hilfreich sein. 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