{"id":9917,"date":"2012-10-19T12:01:16","date_gmt":"2012-10-19T10:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/?p=9917"},"modified":"2012-10-19T12:01:16","modified_gmt":"2012-10-19T10:01:16","slug":"computerspielemuseum-berlin-fotografen-entdecken-computerspielewelten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.retromagazine.eu\/retro\/blog\/2012\/10\/19\/computerspielemuseum-berlin-fotografen-entdecken-computerspielewelten\/","title":{"rendered":"Computerspielemuseum Berlin: Fotografen entdecken Computerspielewelten"},"content":{"rendered":"<p>Computerspielemuseumsdirektor Andreas Lange hat eine Empfehlung f\u00fcr euch:<\/p>\n<p>&#8222;Eine bemerkenswerte Sonderausstellung im Computerspielemuseum Berlin zeigt mit den Werken des Franzosen Thibault Brunet faszinierende, so noch nie gesehene Bilder, die ausschlie\u00dflich in Computerspielen entstanden sind und uns \u00fcber die Natur unserer von elektronischen Medien durchdrungenen Realit\u00e4t neu nachdenken lassen.<\/p>\n<p>Aus der klassischen Gamerperspektive betrachtet handelt es sich bei Brunets Fotos um etwas seit vielen Jahren bekanntes und millionenfach praktiziertes: das Anfertigen von Bildschirmfotos, sog. Screenshots, das meist unter Zuhilfenahme von kostenlosen kleinen Programmen oder einer bereits im Computerspiel implementierten Funktion von den Spielern selbst zwecks Dokumentation von besonders gelungen Aktionen, spektakul\u00e4ren Endgegnern oder auch ganz trivial zur Anfertigung einer Spielanleitung mit einem Tastendruck bewerkstelligt wird. Und doch handelt es sich bei Brunets Fotos um nichts anderes als einen deutlichen Hinweis auf einen grundlegenden Wandel in unserer Weltwahrnehmung. Ist seine Motivation doch eine andere als die der bisherigen Gamerfotografen. Brunet Motivation ist die der Fotografen jeher. Er will Realit\u00e4t dokumentieren und kommentieren, in dem er sie in Bildern verdichtet. Und gerade in diesem klassischen Ansatz liegt das Element des Neuen, wenn es auf digital gest\u00fctzte Welten angewendet wird. Zeigen Brunets Werke doch eindr\u00fccklich, dass die Computerspielewelten keineswegs nur k\u00fcnstlich sind. Im Gegenteil machen sie den Betrachter darauf aufmerksam, dass sich unser Leben bereits jetzt schon zu gro\u00dfen Teilen in virtuellen, IT-gest\u00fctzten Welten abspielt. <\/p>\n<p>Die Untersuchung dieses Prozesses ist auch das Leitthema des 5. Europ\u00e4ische Monat der Fotografie Berlin, der die Ausstellung veranstaltet und dieses Jahr den Titel distURBANces \u2013 Can Fiction Beat Reality? tr\u00e4gt. Mit einem vielf\u00e4ltigen Ausstellungsprogramm werden \u201cdie Ver\u00e4nderungen in der fotografischen und k\u00fcnstlerischen Praxis fokussiert, die die stetige Verschr\u00e4nkung der physisch erfahrbaren Nahwelten mit den digitalisierten Fernwelten angesichts der Globalisierung und einer ungekannten Dominanz des Visuellen erfahren\u201d [Ausstellunskatalog].<\/p>\n<p>Dass dabei die digitalisierten Spielwelten in der von Katia Reich kuratierten Ausstellung erstmals ins Zentrum r\u00fccken ist nur konsequent, waren doch die Games schon immer Vorreiter in der massenkompatiblen Ausgestaltung der virtuellen Bereiche unserer Umwelt. In-Game-Fotografie, wie das Genre bereits genannt wird, wird von einer zunehmenden Anzahl von Fotografen betrieben. Oft handelt es sich dabei um j\u00fcngere K\u00fcnstler, die wie Brunet (*1982) mit Computerspielen aufgewachsen sind und sich darin bestens auskennen. So ist Brunets Wahl, das Computerspiel Grand Theft Auto (GTA): Vice City (Rockstar Games, 2002) f\u00fcr eine seiner im Computerspielemuseum gezeigten Serien zu benutzen nur konsequent. Ist doch gerade die GTA Serie daf\u00fcr bekannt, dass die Spieler sich jenseits der vom Spiel angebotenen Auftr\u00e4ge sich frei in der mit viel Liebe zum Detail gestalteten Welt bewegen und diese einfach nur entdecken k\u00f6nnen. Dabei konzentriert sich Brunet in dieser Serie eher auf nebens\u00e4chliche, melancholische Motive, die im deutlichen Kontrast zu der offiziellen gewalthaltigen Spielhandlung stehen. In einer anderen ausgestellten Bildserie portraitiert er in klassischer Weise Soldaten und gibt ihnen so ein realistisches Aussehen, obwohl deren Existenzgrundlage ausschlie\u00dflich in den Programmstrukturen des bekannten Computerspiels Call of Duty: Modern Warfare 2 (Infinity Ward, 2009) liegt. Gerade in diesen Gegens\u00e4tzen liegt der Reiz und auch die Poesie von Bruntes Werken. L\u00e4sst man sich darauf ein, kann man den Wandel, dem unser Leben durch die Digitalisierung unterworfen ist, aus einer neuen Perspektive  verstehen lernen und intuitiv nachsp\u00fcren.<\/p>\n<p>Die Ausstellung findet vom 18.10. &#8211; 26.11.2012 im Computerspielemuseum Berlin statt.&#8220;<\/p>\n<p>Computerspielemuseum, Karl-Marx-Allee 93a, D-10243 Berlin<br \/>\n\u00d6ffnungszeit: t\u00e4glich 10-20 Uhr, au\u00dfer dienstags<\/p>\n<p>Der Eintritt in die Sonderausstellung ist im Eintrittspreis des Computerspielemuseums enthalten<\/p>\n<p>Tel: +49 30 6098 8577<br \/>\nemail: <a href=\"mailto:service@computerspielemuseum.de\">service@computerspielemuseum.de<\/a><br \/>\nWeb: <a href=\"http:\/\/www.computerspielemuseum.de\">www.computerspielemuseum.de<\/a><br \/>\nFacebook: <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/Computerspielemuseum\">www.facebook.com\/Computerspielemuseum<\/a><br \/>\nTwitter: <a href=\"http:\/\/twitter.com\/CSM_Berlin\">twitter.com\/CSM_Berlin<\/a><\/p>\n<p>Vernissage: 17.10.2012 18:00 Uhr <\/p>\n<p>F\u00fchrung und Gespr\u00e4ch mit dem K\u00fcnstler Thibault Brunet sowie dem Kurator des Computerspielemuseums Andreas Lange: Sa, 20.10.2012 15:00 Uhr<\/p>\n<p>Katalog: <em>Kulturprojekte Berlin for European Month of Photography (Hg. \/ ed.): distURBANces: Can Fiction Beat Reality? Mit Beitr\u00e4gen von \/ with essays by Gunda Achleiter, Berthold Ecker, Paul di Felice, Vasja Nagy, Petra Noll, Katia Reich, Kolja Reichert, Rolf Sachsse, Gabrilla Uhl; English, 100 S.\/p., Berlin 2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Computerspielemuseumsdirektor Andreas Lange hat eine Empfehlung f\u00fcr euch: &#8222;Eine bemerkenswerte Sonderausstellung im Computerspielemuseum Berlin zeigt mit den Werken des Franzosen Thibault Brunet faszinierende, so noch nie gesehene Bilder, die ausschlie\u00dflich in Computerspielen entstanden sind und uns \u00fcber die Natur unserer von elektronischen Medien durchdrungenen Realit\u00e4t neu nachdenken lassen. 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